tocotronix.de Es sind 18 Freaks online.
blank blank blank slides slides slidesblank
Tocotronic - Die Geschichte

von Felix Beyer

1993/ Anfang 1994
Bandgründung von Tocotronic (benannt nach einem Gameboy-Vorläufer) durch die Hamburger Punkmusiker Jan Müller (Baßgitarre) und Arne Zank (Schlagzeug) - beide ex- Meine Eltern/ Punkarsch - und den aus dem Badischen zugezogenen Gitarristen und Sänger Dirk von Lowtzow. Erste Auftritte in Hamburg führen dazu, daß in Hamburger Kneipen zunehmend der Name Tocotronic gewispert wird. Junge Menschen finden eine Lieblingsband: der Enge-Werbe-T-Shirts-Trainingsjacken-Cordhosen-Stil wird gewürdigt, die Höflichkeit der Ansagen bewundert. Tocotronic-Zeilen finden sich auf Häuserwände gesprüht und in Schulbänke geritzt. Der Fanclub 'Megatronic' wird gegründet.

1994
Die erste Tocotronic-Single erscheint auf dem bandeigenen Rock-o-tronic-Label: Vier Lieder, kompromißlos im Zwei-Spur-Verfahren im Proberaum aufgenommen, bei denen nicht stört, daß man die Texte stellenweise nicht versteht, da die Lieder so viel Energie und Melancholie zugleich in sich tragen. Jochen Distelmeyer von Blumfeld schnappt den Songtitel "Ich Möchte Teil Einer Jugendbewegung Sein" von Tocotronic auf und baut ihn in den Song 'Sing Sing' ein. Dirk singt ihn auf Blumfelds LP. L`Age D`Or übernimmt den Versand der Single und des Jugendbewegungs-T-Shirts. Erste Tourneen mit 5 Freunde und Blumfeld folgen. Christoph Gurk stellt die Tocs in Spex vor, Fanzines bejubeln die Single.

1995
"Digital ist besser", ihre Debütplatte, auf die sich vor einem Jahr nahezu jeder einigen konnte, stellt in seiner räudigen Unmittelbarkeit das wahrscheinlich beste Stück deutschsprachiger Pomusik ever dar." (Chelsea Chronicle 6/96) Die in wenigen Wintertagen im Soundgarden-Studio aufgenommene erste LP/ CD erscheint bei L`Age D`Or und setzt einen Meilenstein des Underground-Pop in Deutschland. Treibend punkiges Sloganeering (Jugendbewegung, Masterplan, Digital Ist Besser) und vergrätzte Abgrenzung von deutscher Alltagskultur (Freiburg, Samstag Ist Selbstmord, Hamburg rockt) treffen einen Nerv sowohl bei Pop-Intellektuellen, die darin den Ausdruck einer neuen Generation sehen, als auch bei eben dieser Generation, jungen Menschen, die sich mit Tocotronics Wut identifizieren können, aber auch bewegt sind von der leicht sentimentalen Melancholie von "Drüben Auf Dem Hügel", "Letztes Jahr Im Sommer", oder dem wunderbaren "Die Idee Ist Gut, Doch Die Welt Noch Nicht Bereit". Daß die Platte so trashig hingerotzt klingt und doch die Melodien so eingängig sind, verstärkt den Eindruck, den sie macht. Und wem das nicht weird genug ist, der hat ja noch die wirr-jaulend-sympathische Songvignetten von Schlagzeuger Arne. Nach einer 14-tägigen "Headline-Tour" (Powerline) im deutschsprachigen Raum und einigen Festivals im Sommer erscheint nicht nur Arne Zanks Cassette "Die Mehrheit Will Das Nicht Hören, Arne" (Eigenvertrieb), sondern zum Erstaunen aller Beobachter bereits im Juli das zweite (Mini-) Album der Tocs, "Nach Der Verlorenen Zeit" auf L`Age D`Or/ RTD. Sie führt das Prinzip "Platten machen wie Tagebuch schreiben" ein, denn auf ihr reagieren Tocotronic in selbstreflexiven Statements auf die Rezeption der Band ('Ich Bin Neu In Der Hamburger Schule', 'Ich Muß Reden, Auch Wenn Ich Schweigen Muß', 'Es Ist Einfach Rockmusik', 'Hauptsache Ist'). Andererseits sind da die berührenden persönlichen Stücke über Freundschaft, wie 'Du Bist Ganz Schön Bedient', 'Gott Sei Dank Haben Wir Beide Uns Gehabt' und 'Ich Mag Dich Einfach Nicht Mehr So', das ganz genau den Moment beschreibt, an dem Zuneigung in Langeweile übergeht. Danach folgt das erste Gitarrensolo in der Toco-Geschichte. Im August folgen fünf Auftritte mit Guided By Voices, u.a. bei der Popkomm; im November dann eine achttägige Tour durch kleinere deutsche Städte, wobei es in Potsdam vor Begeisterung zu einer Bühneninvasion kommt. Dazu erscheinen zwei 7"-Singles: "Du Bist Ganz Schön Bedient/ You Are Quite Cool" beinhaltet die Hits 'Bedient' und 'Die Idee Ist Gut, Doch Die Welt Noch Nicht Bereit' in englischen Übersetzungen zwischen Mittelstufenenglisch und kongenialer Übertragung pendeln (aus "Straciatella oder Nuß" wird "Cujamara Split"). Die andere Single ist eine Konzeptplatte: Das Stück 'Freiburg' (plus drei andere), von dem aus Freiburg weggezogenen Dirk geschrieben, live aufgenommen im Freiburger 'KTS Vauban' und veröffentlicht vom Freiburger Label Ritchie Records.

Januar 1996
Die Leser der Zeitschrift Spex wählen Tocotronic zum besten Newcomer 1995 und zur drittbesten Band überhaupt. Für die Hörer von Klaus Walters Radiosendung "Der Ball Ist Rund" auf HR 3 ist "Digital Ist Besser" die Platte des Jahres. Erstes Radio-Airplay in den Niederlanden wird kaltblütig ausgenutzt, indem eine Holland-Kurztournee organisiert wird, im Laufe derer der Budapester Regisseur Peter Palatsik die Videos zu 'Die Welt Kann Mich Nicht Mehr Verstehen' und 'So Jung Kommen Wir Nicht Mehr Zusammen' dreht.

März 1996
Mit dem "poppigsten AmRep-Act" Chokebore geht es auf Tour durch Süddeutschland, Österreich und die Schweiz. Der Refrain "Digital Ist Besser" wird zu "Feeling Kind Of Special", weil die Amerikaner das zu hören glaubten. Die Bands freunden sich an, bei unterwegs begangenen Geburtstagen herrscht Ausgelassenheit, doch Dirk hat auch Gelegenheit, mit Chokebore-Gitarrist John über Thomas-Bernhard-Übersetzungen fachzusimpeln.Zur Tournee erscheint in Zusammenarbeit von L`Age D`Or und Amphetamine Reptile eine Tocotronic/ Chokebore-Splitsingle mit einer rockigeren neuen Version von "Gott Sei Dank Haben Wir Beide Uns Gehabt".

April 1996
"Einfach Rockmusik" ist das nicht mehr. Eher ein waghalsiger Selbstversuch, der auch mit der erfolgsträchtigen Niedlichkeitsoffensive des Jungens-Trios ins Gericht geht. Das Sloganeering ist zurückgeschraubt- wer die Band liebt, soll ihr auch an die Ufer schlammiger 8-Minuten-Stücke folgen. Insofern also doch ein schülerhafter Schrei nach Gerechtigkeit, aber einer, der bewußt mit seinen beschränkten, mittelständischen Mitteln hausieren gehen muß. "Wir kommen um uns zu beschweren" ist ein historischer Kompromiß." (Taz, 2.4.96) Die im Dezember im Hamburger Soundgarden-Studio von Christian Mevs und Carol von Rautenkranz aufgenommene LP "Wir Kommen Um Uns Zu Beschweren" erscheint. Das bekannt und beliebt gewordene tocotronische Soundspektrum wird ausformuliert und zugespitzt. Wenn man Punk-Pop-Songs spielen mag, dann brauchen die auch nicht länger als zwei Minuten zu sein ("Die Welt Kann Mich Nicht Verstehen", "Der Cousin"). Und wenn man so eine richtige Rock-Schwarte spielen will, dann müssen die Gitarren auch sieben Minuten Zeit haben, um Dinosaur-Soli aufeinanderzuschaufeln. Auch in den Texten wird mächtig ausdifferenziert: Ein persönliches, trauriges Stück wie "Ich Möchte Irgendwas Für Dich Sein" braucht nur zwei Zeilen Text; der mitlaufende Kommentar zur Rezeption der Band wird wieder mitgeliefert ("Ich Werde Mich Nie Verändern", "Jetzt Geht Wieder Alles Von Vorne Los"), Haß und Sloganeering nicht vergessen ("Ich Verabscheue Euch Wegen Eurer Kleinkunst Zutiefst"), und mit "Ich Heirate Eine Familie" und "Schritte Auf Der Treppe" hat die Melancholie und Unsicherheit des Erwachsenerwerdens ihren Platz. Dem Fall-Sänger Mark E. Smith und der lesbischen Melody-Core-Band Team Dresch, beides Helden im Musikhöruniversum der Tocs, wird Respekt gezollt.Mit einer transparenteren Produktion und zunehmender spieltechnischer Ausgefuchstheit wird die Klippe des dritten Albums, an der schon einige Hamburger Hoffnungsträger zerschellten, sicher umfahren. Die Nonchlance, mit der das gelingt, erinnert an die Herangehensweise an das Musikmachen, die viele US-College-Bands auszeichnet.

Mai 1996
Auf einer zweiwöchigen Tour durch die großen Städte Deutschlands erfahren Tocotronic, daß sie inzwischen tatsächlich so etwas wie Popstars geworden sind. "Wir Kommen Um Uns Zu Beschweren" ist nämlich in die Album-Charts eingestiegen und verbringt dort einige Wochen. Die höchste Plazierung ist #47 am 30. April. Konzerte müssen in größere Hallen wie die Live Music Hall in Köln verlegt werden. Vor euphorischem Publikum sehen sich die Tocs mit den Schwierigkeiten konfrontiert, die große Bühnen so mit sich bringen (weite Fußwege z.B.), lernen aber schnell, damit umzugehen.

Sommer 1996
Nach einem triumphalen Heimspiel ("von wegen, in Hamburg sind wir immer viel nervöser, weil da so viele Bekannte im Publikum sind") in der Großen Freiheit im Juni stehen die üblichen Wochenendausflüge zu Festivals an. Höhepunkte sind ein Auftritt mit Beck in Wien und ein Benefizauftritt in Hamburg (mit Blumfeld, Lassie Singers, Flowerpornes und Kante) für den in Berlin überfallenen Universal-Congress-Of-Gitarristen Joe Baiza. Unter der Woche beginnen die Arbeiten an Songs für das vierte Album.

August 1996
Tocotronic eröffnen die Theatersaison in der Berliner Volksbühne. Das erste Konzert ist bereits nach wenigen Stunden ausverkauft, so daß flugs ein Zusatzkonzert organisiert wird, bei dem auch keine Plätze frei bleiben. "Die gute Laune im Saal erinnerte die Band an "The last night of the Proms" in der Londoner Royal Albert Hall", notiert ein Kritiker. Dieser Zuspruch hat sicher auch damit zu tun, daß "Die Welt Kann Mich Nicht Mehr Verstehen" bei dem Berliner Radiosender 'Fritz' rauf und runter läuft und über zwei Monate lang in den Hörercharts plaziert ist. Beim Bizarre-Festival in Köln sind die Tocs die umjubelten Stars des Nachmittages. Mehr diskutiert wird allerdings an diesem Pop-Komm-Wochenende über einen anderen Auftritt von Tocotronic: Bei der "Comet"-Preisverleihungsgala des Musikfernsehsenders Viva lehnen sie den ihnen zugedachten Award "Jung, deutsch und auf dem Weg nach oben" ab. Kristof Schreuf beschrieb das Ereignis in der taz so: "Gerade vorher hatten Tocotronic sich auf offener Bühne zunächst artig für die Einladung zu der Veranstaltung bedankt, um dann in jugendlicher Festigkeit die Annahme des Preises (...) zu verweigern. Den erstaunten Buh-Rufen trat Jan Müller mit den Worten "Wir sind nicht stolz darauf, jung zu sein" entgegen, um zu ergänzen: "Wir sind auch nicht stolz darauf, deutsch zu sein", was die anwesenden Musikindustrie-Angestellten mit weiterem Wutgeheul, Entlassungsdrohungen an Kollegen und beleidigtem Sinnieren über Programmgestaltungen quittierten." Die Band hatte sich erst nach langen Diskussion im Vorfeld zu diesem Vorgehen entschlossen, wobei es wichtig erschien, sich einerseits für die Respektsbezeugung höflich erkenntlich zu zeigen, andererseits aber die Ablehnung des Einsortiertwerdens in Kategorien wie "jung" und "deutsch" deutlich abzulehnen. Und außerdem wollte Jan unbedingt seine Helden Kiss sehen, die dort auftraten.

November 1996
Eine Tour durch kleinere deutsche Städte leidet etwas unter unangenehmen Begleitumständen: Jan wird krank und tritt mit Fieber auf, dazu schlägt das schlechte Wetter auf die Stimmung ("Einmal waren wir fast eingeschneit.") So schleicht sich ein leichter Überdruß ein, der aber von den ungebrochen freundlichen Zuschauerreaktionen vertrieben wird. Gelegentlich wuseln seit dieser Tour Menschen mit Videokameras um die Band herum. Dabei handelt es sich um den Filmemacher Henrik Peschel ("Rollo Aller") und den Fanzinemacher Kai Damkowski ("Klausner"), die bis heute an einem Dokumentarfilm über Tocotronic arbeiten.

Januar 1997
Das neue Jahr läuten die Tocs mit einem Auftritt bei dem von L'Age D'Or mitveranstalteten Rock & Rave-Festival in der Hamburger Markthalle ein. In den Leserpolls der Musikzeitschriften sind Tocotronic auch diesmal gut plaziert: Die Leser von Spex wählen sie zur viertbesten Band und zur drittbesten Show. Im Rolling Stone landen sie auf Platz 6 in der Kategorie "Beste Band-National" und aus den monatlichen Lesercharts von Visions und Intro sind die Tocs kaum wegzudenken.

Februar 1997
Im Blackbox-Studio von Iain Burgess, in einem Kaff in der Nähe der westfranzösischen Stadt Angers gelegen, nehmen Tocotronic ihre vierte LP "Es Ist Egal, Aber..." auf. Produzent ist diesmal Hans Platzgumer, der auch die Streicherarrangements für die Platte geschrieben hat. Toningenieur ist Peter Deimel, der "Stag" von den Melvins für die bestproduzierte Platte ever hält.

März 1997
Zurück aus Frankreich, reisen die Tocs nach Düsseldorf, um in der dortigen Phillipshalle von Fernsehleuten durch die Gegend gehetzt zu werden. Sie treten im Rahmen der WDR-Rocknacht auf, die zeitversetzt in der ARD gesendet wird. Lemonheads, Social Distortion, Suede, Offspring und die H-Blockx spielen auch.

Juni 1997
Die Vorabsingle "Sie Wollen Uns Erzählen" erscheint und steigt kurz darauf in deutschen Singlecharts ein. Das Video dazu dokumentiert einen Ausflug in den Wildpark "Schwarze Berge", passend zu den drei Enten auf dem Albumcover. Schon im Herbst stellt die Hamburger Country-oder-sowas-Band Fink eine Coverversion des Songs vor.

Juli 1997
"Es Ist Egal, Aber..." erscheint. Wandel und Weiterentwicklung sind der Platte anzuhören, obgleich sie noch immer eindeutig nach Tocotronic klingt. Doch in den Texten wird Abstand genommen von der "Ich"-Litanei früherer Platten, das "Du" kommt stärker zu seinem Recht. Die Songs sprechen von Entfremdung, von sich voneinander entfernenden Menschen. Die Sehnsucht eines Außenvorstehenden nach Teilhabe an menschlichen Beziehungen wie Freundschaft und das Scheitern der Annäherung ziehen sich durch die ganze Platte. Im Songwriting sind gesungene und instrumentale Teile stärker ineinander verwoben, der Aufbau der Songs folgt einer Dramaturgie, die in enger Korrespondenz zum Text steht. Der Einsatz von Streichern ist das augenfälligste Ergebnis der Zusammenarbeit mit Hans Platzgumer. Dirks Gesang ist ausgefeilter denn je, in der Melodiesetzung, wie in der Phrasierung, wie auch in der Aufnahme. "Es Ist Egal, Aber..." ist der Abschied von den einfachen musikalischen Laut-Leise-Lösung; Tocotronic verfeinern den Umgang mit ihren musikalischen Mitteln - manche sprechen da gern von Reife.

Sommer 1997
Auch in diesem Jahr spielen Tocotronic auf diversen Festivals. Eindeutiges Highlight dabei ist der Auftritt bei dem berühmten Festival im dänischen Roskilde. Hunderte Norddeutsche feiern sich selbst, aber auch die Tocos, die auch vereinzelte Nicht-Deutsche zu beeindrucken vermögen - Artikel in dänischen Zeitschriften belegen dies. "Es Ist Egal, Aber" tritt einen erfolgreichen Weg in die Hitparaden an und erreicht Platz 13 in den deutschen und Platz 21 in den österreichischen Albumcharts. In der Jahresendabrechnung von Media Control ist "Es Ist Egal, Aber" auf Platz 37 der erfolgreichsten deutschsprachigen Alben des Jahres plaziert; "Sie Wollen Uns Erzählen" landet auf 46 bei den meistverkauften deutschsprachigen Singles 1997.

September/ Oktober 1997
In zwei vierzehntägigen Blöcken gehen die Tocs auf große Tournee durch das Verbreitungsgebiet der deutschen Sprache - so lange am Stück wie noch nie zuvor. Das hat die von vielen Bands gefürchteten Auswirkungen der Routine: "Ich hatte das Gefühl, wir funktionieren auf Knopfdruck", erinnert sich Dirk und meint das durchaus auch wörtlich: Der Entschluß reift, den Verzerrer zukünftig wegzulassen. Eventueller Überdruß wurde aber gemindert durch eine weitere Freundschaft zu einer amerikanischen Band: Der Gitarrenrock von Fuck mag zwar einem Teil des Publikums zu spröde erschienen sein, aber die Beziehung zwischen den Bands war um so herzlicher - ein Ergebnis davon ist die Coverversion von "Alles Was Ich Will Ist Nichts Mit Euch Zu Tun Haben" auf dem Fuck-Album "Conduct"; ein anderes die Gegeneinladung an Tocotronic zu einer USA-Tournee. Die zweite Hälfte der Herbst-Tour spielten die Schweizer Lado-Kollegen Die Aeronauten mit - zur großen Freude des begeisterten Publikums. Zur Tour erscheint mit der Herbst-Hymne und Neil-Young-Hommage "Dieses Jahr" eine zweite Single aus dem Album, mit einem sehr schönen Vorstadtidyll-Video. Auf der B-Seite ist eine werkgetreue Coverversion von der poppigsten Band des US-Labels SST, Angst, zu hören.

Winter 1997/98
Drei Monate lang nicht proben - das hatte es für Tocotronic schon lange nicht mehr gegeben. Aber etwas Ruhe von der Band haben alle drei nötig, so gibt es in dieser Zeit auch nur einen Auftritt - ein Benefiz für den Golden Pudel Club. Jan und Arne nutzen die Zeit, um das Rock-O-Tronic-Label wiederzubeleben: Sie produzieren das Debüt der jungen Grungeband Jonas aus Bad Bentheim, das schließlich an L'Age D'Or lizensiert wird. Arne dreht außerdem mit Gregor Stockmann den Legetrickfilm "Das Experiment". Auch Dirk hat mit Film zu tun: Für "Crossroads" vom ungarischen Regisseur Mihaly Györik schreibt er die Musik. Die Leserpolls der Musikzeitschriften belohnen das Schaffen von Tocotronic erneut mit guten Plazierungen: Im Visions belegen sie in der Kategorie "Beste Band" Platz 9, in "Bestes Konzert" Platz 3 ,und "Es Ist Egal, Aber" ist Nummer 6 bei den Alben des Jahres. Auch für die Leser von Spex sind Tocotronic die neuntbeste Band, das Album erreicht Platz 16 und das Video zu "Dieses Jahr" Platz 9 bei den Clips. Die Leser des Rolling Stone wählen "Es Ist Egal, Aber" auf 25 bei den Alben und "Sie Wollen Uns Erzählen" auf 26. Und im Intro gibt es Platz 2 bei den Bands, 3 bei den Live-Acts, 6 bei den Alben; allerdings auch Platz 8 in der Kategorie "Größte Enttäuschung". Die Begründung: "der unberechtigte Hype". Im Jubiläumsheft zur 50. Ausgabe von Intro wurden die Lesercharts der letzten vier Jahre zusammengerechnet: Tocotronic sind gleich mit drei Alben unter den ersten 100 plaziert, am höchsten "Wir Kommen Um Uns Zu Beschweren" auf Platz 8.

Januar/Februar 1998
Tocotronic sind zurück im Übungsraum und proben im Sitzen. Neue Stücke entstehen, zunächst mit dem Plan, eine sehr ruhige Platte zu machen, die durch längere Texte unaufdringlicher wirken soll. "Die Neue Seltsamkeit" zählt zu den ersten Stücken, die Dirk schreibt - mit den Ideen im Kopf, daß die Texte "weniger 1:1 klingen sollten, eher ein gebrochenes lyrisches Ich sprechen soll." Doch Cornershops Zwei-Akkorde-Hit "Brimful Of Asha" bringt die Band von der durchgängigen Ruhe ab, auch Stücke wie "Let There Be Rock" sind erlaubt.

März 1998
Die Gegeneinladung von Fuck wird angenommen: Tocotronic gehen mit ihnen auf US-Tour. Und zwar nicht durch Goethe-Institutssäle, sondern durch ganz normale Rockclubs in Städten wie Chicago, Detroit, Philadelphia, Washington oder New York, wo bei am Abschlußkonzert mit Come als zusätzlicher Band Indie-Rock-Prominenz von Pavement und Sonic Youth gratulieren kommt. Zur Tour erscheint nicht nur ein Song auf einer CD des US-Fanzines "Cool Beans", sondern auch ein Best-of-Album für den internationalen Markt mit dem Titel "The Hamburg Years".

Sommer 1998
Nach Wochen des eifrigen Probens und Songschreibens stehen die üblichen Festivals an. In diesem Jahr geht es zum Hurricane nach Scheeßel (u.a. mit Beastie Boys, Björk und Pulp) und auf Festival-Tour mit den anderen Bands der Booking-Agentur Powerline. Dabei wird die Bekanntschaft mit Micha Acher von Notwist intensiviert, der den Auftrag bekommt, Streicher- und Bläserarrangements vorzubereiten. Als Kontrastprogramm zu den Festivalbühnen begleitet Dirk Troy von Chokebore auf dessen Promotour, abends spielen beide in kleinen Clubs gemeinsam. Oktober 1998: Tocotronic kennen den Weg zum Black Box-Studio in Frankreich schon vom letzten Mal. Diesmal darf aber auch Carol von Rautenkranz als Produzent des fünften Albums mitkommen, allerdings unter einer Bedingung: Er muß sein Handy zuhause lassen. Vierwöchige Aufnahmen mit dem bewährten Tonmeister und Ko-Produzenten Peter Deimel folgen.

November/Dezember 1998
Weitere Aufnahmen in Weilheim (Bläser und Streicher, arrangiert von Micha Acher, im Uphon-Studio) und Hamburg (Keyboards mit Stellas Thies Mynther und Overdubs im Soundgarden-Studio).

Anfang 1999
Während das fünfte Album im Soundgarden abgemischt wird und den Namen "K.O.O.K:" bekommt, findet Jan Zeit, das zweite Album von Jonas für Rock-O-Tronic zu produzieren.

März/April/Mai 1999
Einzelne Auftritte in Dänemark, Holland und Belgien.

07.06. 1999
Als Vorabsingle erscheint "Let There Be Rock".

26.07. 1999
"K.O.O.K" erscheint.

rubrikenzitat News
Tourdaten
Diskografie
Texte
Tabulatur
Mailingliste
Chat
Forum
Flohmarkt
Umfragen
Tour-O-Grafie
Bilder
FAQ
Lesezeichen
Downloads & Ulk
Dig. Postkarten
Links
Team
Kontakt
Disclaimer