tocotronix.de Es sind 25 Freaks online.
blank blank blank slides slides slidesblank
Einmal geht's noch
Vielen Dank an Martin, von dem wir diesen Aufsatz übernehmen durften.

Einmal geht's noch

Pop. Die deutsche Band Tocotronic erhebt mit "K.O.O.K." einen weiteren klugen Einspruch gegen die Schlechtigkeit der Welt. Es gibt von der britischen Band Radiohead ein T-Shirt, auf dem steht: "O.K.K.O.". Es gibt von der deutschen Band Tocotronic ein neues Album, das heißt "K.O.O.K.". Das müsste schon einerstaunlicher Zufall sein, wenn es einer wäre.

1995 veröffentlichten Tocotronic ihr erstes Album "Digital ist besser", und das war erstaunlich. Sänger und Gitarrist Dirk von Lowtzow betrieb abstraktionsfrei Selbstbeschau, bildete das eigene Erleben distanzlos ab - und ließ doch keinen Zweifel daran, dass er und seine Band wussten, was sie taten: Tocotronic machten klar, dass es ein Leben nach dem intellektuellen Pop-Diskurs der "Hamburger Schule" um Bands wie Blumfeld und Die Goldenen Zitronen gibt, in dem sie sich mit den dort gepflogenen Codes sehr ungezwungen ("Ich bin neu in der Hamburger Schule") spielten. Das hieß: Wir haben verstanden, und jetzt probieren wir was anderes.

Dieses Andere kam im frechen Grunge-Schrammelrock-Design daher und funktionierte, weil die in Songs gepackten Beschwerden über die Plagen des Daseins als deutscher Jungspund klug und für andere deutsche Jungspunde, die sich mit den gleichen Plagen herumzuschlagen hatten, verständlich waren: dass Gitarrenhändler nerven, dass man jemanden nicht mehr so mag, dass man zu viel getrunken hat, dass man am falschen Ort geboren ist ("Wir sind hier nicht in Seattle, Dirk") und dass man nicht weiß, wo man hingehört. Ihr Song "Ich möchte Teil einer Jugendbewegung sein" brachte die postpubertäre Deplatziertheit auf den Punkt und wurde zur Parole.

Was sie in den Titeln ihrer folgenden Alben "Wir kommen um uns zu beschweren" (1996) und "Es ist egal, aber" (1997) klarstellten, gilt mit Abstrichen auch 1999 mit "K.O.O.K." noch: Tocotronic sind sich über die Unaufhaltsamkeit ihrer musikalischen Reifung und das absehbare Ende ihrer Legitimation als Ankläger juveniler Unzufriedenheit im Klaren. Sie wissen, dass ihre Forderung nach einer besseren Welt sich irgendwann in Abgeklärtheit auflösen wird - vom Kampf dagegen handelt ihr neues Album: wenn sie in einem Track die Fanfaren des Europe-Songs "The Final Countdown" zitieren, feststellen, dass man sich in der Langeweile plötzlich daheim fühlt, und trotzig fordern: "Let there be Rock! Herrgott noch mal! Nur noch eine Stunde! Nur noch einen Tag! Let there be Rock." Dass es einmal noch geht, beweisen sie mit "K.O.O.K": charmant, klug und mitreißend.

Quelle: Knecht, Doris: Einmal geht's noch. In: profil 33 / 1999 (16.08.1999), Seite 118

^^ ^ ^
^
rubrikenzitat News
Tourdaten
Diskografie
Texte
Tabulatur
Mailingliste
Chat
Forum
Flohmarkt
Umfragen
Tour-O-Grafie
Bilder
FAQ
Lesezeichen
Downloads & Ulk
Dig. Postkarten
Links
Team
Kontakt
Disclaimer