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Die Postoptimisten kommen
Vielen Dank an Martin, von dem wir diesen Aufsatz übernehmen durften.

Neue Stimmung unter Jugendlichen: Sie sind politisch bewegt - glauben aber nicht an die Verbesserung der Welt.

Die Jugend hat den Mut zur Tat verloren. Sie ist zwar "hochmoralisch und politisch korrekt - nur glaubt sie nicht mehr, damit Veränderungen in Gang zu bringen". Postoptimistisch nennt der Wiener Jugendforscher Bernhard Heinzelmayer dieses abgeklärte Lebensgefühl. Die Generation zwischen Pubertät und Familiengründung hat sich in den 90er Jahren nicht von politischen Ansprüchen verabschiedet. Aber dabei ist sie realistischer geworden. "Ich liege hier, um ein Zeichen zu setzen. Verhindern kann ich diesen Wahnsinn nicht." Sagten die Jugendlichen, die vor kurzem gegen deutsche Atommüll-Lieferungen protestierten. Sie legen sich quer - in diesem Fall über Schienen - aus Protest, um des Protestes willen. Die Züge fahren trotzdem - und das wissen sie.

Ihre Lehrer, meist Vertreter der 68er, stehen im Zentrum der postoptimistischen Kritik und kosten ihre Schüler oft nur ein zynisches Grinsen. Als "pseudoalternativen Hippiekram" empfindet etwa Dirk von Lotz, Sänger der Aufsteiger-Gruppe Tocotronic, den Zukunftsoptimismus der "blauäugigen Weltverbesserer-Generation". Ein Titel der Band heißt: "Michael Ende - du hast mein Leben zerstört". Dirk wurde von Erwachsenen für stumpfsinnig erklärt, weil er Endes Bücher - Symbol der Haltung seiner Lehrer-Generation - nicht mochte.

Die Texte solcher Pop-Gruppen - wie auch die sozialkritische Band Oasis - hat der Jugendforscher Heinzelmayer als Trend-Barometer herangezogen. Gestoßen ist er auf politische Melancholie und nicht mehr auf kunterbunten Konsumrausch. "Man wünscht sich zurück in die 80er Jahre, wo es noch Jugendbewegungen gegeben hat. Wo noch Geld da war für Dinge wie einen experimentellen Arbeitsmarkt", konstatiert Heinzelmayer. Ein klassisches Beispiel: In ihrem Lied "Die Traurigkeit eines Samstagabends" beschreibt wieder Tocotronic die Sehnsucht nach dem Aufgehobensein in Gruppen, nach gemeinschaftlichem Handeln.

Doch die Nachfolger der Generation X kümmern sich konsequent um ihr eigenes Leben. Sie entscheiden sich wieder verstärkt für konventionelle Berufe, studieren Klassiker wie Medizin oder Jus und sagen sich: "Was ich mir vornehme, schaffe ich." Solange es nur um die eigene Geschichte geht, sind sie noch zu reinem Optimismus fähig. Doch etwas in "der großen Welt" zu bewegen, davor kapitulieren sie. Für Heinzelmayer eine besorgniserregende Entwicklung: "Wir gehen einer Welt entgegen, die von moralisch verzweifelten Zynikern geprägt sein wird."

Zwischentexte:

"Es ist Salz in unseren Wunden, wenn sich wer unfreundlich am Telefon meldet." "Tocotronic" "Die Jugendlichen glauben nicht mehr daran, daß sie die Welt verbessern können." Bernhard Heinzelmayer

Foto einer Beachvolleyballerin, die mit verbissenem, angestrengtem Gesichtsausdruck den Ball baggert Bildunterschrift: Die Jugend von heute protestiert wieder, obwohl sie weiß, daß es nichts nützt.

Quelle: Ramsauer, Petra: Die Postoptimisten kommen. In: Kurier vom 15. Oktober 1996, Seite 24

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