tocotronix.de Es sind 17 Freaks online.
blank blank blank slides slides slidesblank
Tocotronic
Mit freundlicher Genehmigung von Alternakid.

Wir trafen Dirk und Arne von Tocotronic vor ihrem Gig auf der "20 Jahre Spex"-Party im Kölner E-Werk am 17.08.2000.

M: Welcher ist Euer Lieblingssong auf "K.O.O.K - Variationen"?

Dirk: Es ist ein bißchen schwierig, eine Top-Klassifikationsliste aufzustellen. Was ist da der Favourite-Track? Es sind ja immer ganz unterschiedliche Ansätze und es ist irgendwie alles schön. Es ist für einen persönlich auch immer überraschend. Ich persönlich fand den von Justus Könke sehr toll, weil ich auch seine Platte "Spiralen der Erinnerung" zuvor sehr oft gehört hatte, die im letzten Jahr eine meiner Lieblingsplatten war. Das war in dem selben Stil und hat mich dann wahnsinnig begeistert. Das fand ich sehr schön.
Arne: Ja. Das kam auch ziemlich spät dazu und dann war man sehr erfreut, wenn man noch so einen Schatz mit drauf hat.
Dirk: Zu dem Stück machen wir jetzt auch noch ein kleines billiges Video, aber keine Single.

M: Gibt es in diesem Jahr noch eine neue Tocotronic-Single?

Arne: Nein, wir fangen an mit Studioarbeit. Aufnahmen kann man noch nicht sagen, doch wir fangen auf jeden Fall an, neue Sachen zu machen, aber da wird es sicher kein schnelles Ergebnis geben.

M: Wir haben gehört, dass Euer Vertrag mit Motor ausläuft. Stimmt das? Oder macht Ihr weiter bei Motor?

Arne: Der Vertrag läuft aus, genau. Mit der letzten Platte, K.O.O.K , ist der ausgelaufen. Wir sind in Verhandlung mit diversen Firmen (lacht). Aber es ist noch nichts raus.

M: Kümmert Ihr Euch um diese Dinge persönlich?

Dirk: Mit Lado zusammen. Vor zwei Monaten bin ich speziell mit Carol von Rautenkranz von Lado rumgefahren und haben die ganzen Plattenfirmen so abgeklappert, um uns ein Bild zu verschaffen, wie die Leute so sind, die ungefähr in Frage kommen. Insofern kümmern wir uns da schon selber darum.
Arne: Das ist ja auch sehr wichtig.
Dirk: Das ist ja unsere Sache.

I: Tocotronic ist also eine Art Firma?

Arne: Immerhin hat man ja doch sehr viel mit Leuten zu tun und bespricht sich mit denen. So sollte es ja im besten Falle auch sein, dass man gemeinsam Sachen entwickelt. Und dann muss man das sorgfältig auswählen.

M: Könnt ihr etwas zur Musikszene in Deutschland sagen? In der letzten Zeit haben ja einige deutsche Bands mal wieder den Sprung geschafft, wie Miles oder die Sportfreunde Stiller. Meint ihr da könnte noch etwas getan werden, damit diese besser unterstützt werden?

Dirk: Das ist ein bißchen schwierig. Ich weiß nicht, ob das so etwas Unterstützenswertes ist, die Musikszene in Deutschland. Mir persönlich ist das ziemlich egal, woher irgendeine Musik kommt, ob das aus Deutschland kommt oder aus England oder Ungarn.

M: Welche Band hat Euch in der letzten Zeit beeindruckt? Habt ihr eine Neuentdeckung?

Dirk: Die Platte von Justus Könke war bei mir in der letzten Zeit die am meisten gespielte.
Arne: Das ist unterschiedlich und tatsächlich so auf Deutschland bezogen, da ist es einfach so, dass man manches schätzt und dabei auch ganz viel nicht. Und da gibt es, das ist ja eine allgemeine Entwicklung, das Musik wesentlich zugänglicher geworden ist. Es ist weniger ein Underground, sondern dass etwas sehr schnell bekannt werden kann und für jeden Menschen zugänglich ist, der sich darum kümmern möchte. Dewegen kann ich auch nicht die Problematik sehen, dass das jetzt so schwierig wäre für einzelne Musiker.
Dirk: Deshalb ist uns eine Musikszene oder der Standort Deutschland so ziemlich egal.

M: Wie waren denn Eure Erfahrungen im Ausland? Ihr wart mit K.O.O.K ja sicherlich in anderen Ländern unterwegs.

Dirk: Nur in Amerika. Wir waren zweimal auf Tour in Amerika. Einmal vor zwei Jahren und einmal dieses Jahr. Das war aber auch das einzige, was wir je gemacht haben. Die eine Tour war zwei Wochen mit Fuck, einer amerikanischen Band, und da waren wir einfach Vorgruppe und da hat uns wirklich niemand gekannt. Jetzt war es eigentlich nicht viel anders (alle lachen).

I: Genießt ihr das, wenn Ihr vor einem völlig fremden Publikum spielt?

Arne: Klar ist das eine interessante Sache, aber man kann das nicht werten, weil das mit Fuck auf einem wirklich sehr kleinen Level war. Und man kann jetzt auch nicht sagen, dass das viel toller ist, als in einer großen Halle zu spielen. Dort mussten wir auf der Bühne übernachten (lachen), und da kann man nicht wirklich objektiv sagen, das will man nur noch machen.
Dirk: Das ist sehr anstrengend, in Amerika zu touren, wenn man überhaupt nicht gut behandelt wird, das kann man echt nicht sagen.
Arne: Man merkt da einfach sofort, dass es da noch mal viel mehr Bands gibt, noch mal viel mehr Musiker, und dass das mit den Konzerten super inflationär ist. Jeden Abend finden mit fünf bis sechs Bands verschiedene Konzerte statt. Das ist auf eine Art natürlich auch schön, aber für einen selber als Musiker eine ganz andere Situation. Ich fand fand das ganz interessant zu sehen und es hat Spaß gemacht. Wenn man das mit einer befreundeten Band macht, hat das ja auch etwas Ausflughaftes.
Dirk: Da ist das auch klar, dass für uns gar nicht unbedingt das Konzert am Abend im Vordergrund stand, sondern alleine das Erlebnis, da herumzufahren und alles zu sehen.
Arne: Und mit Leuten zu sprechen.

I: In welchen Städten wart ihr unterwegs?

Arne: An der Ostküste.
Dirk: New York und Boston, Washington, Philadelphia..
Arne: Chicago.
Dirk: Detroit. Cincinatti, glaube ich und noch irgend so ein Kaff.

I: War das nicht auch eine komische Erfahrung? Amerika kennt man ja nur aus dem Film, und wenn man dann dort ist, kommt einem auch beinahe alles so vor.

Arne: Das finde ich schon, dass man da die erste Zeit immer an Fernseh- und Kinobilder denkt. Das ist schon so ein Phänomen - Amerika. Man ist einfach so vollgestopft mit Bildern und es kommen einem dauernd immer irgendwelche Assoziationen.
Dirk: Wie Bilder transportiert werden und wie man das dann wirklich sieht.
Arne: Da kommt man sich dann ganz entrückt vor, weil man da in eine Bilderwelt eintaucht, die wirklich überhaupt nichts mit dem Alltag zu tun hat. Und klar, da ist es super, dass man durch Musik so etwas erreichen kann, dass man in so einem Rahmen unterwegs ist.
Das ist schon sehr gut. Aber man kann das nicht wirklich so werten und sagen, dass ist das, was man nur noch machen will.

M: Habt ihr irgendwelche Orte, an denen es Euch reizen würde, aufzutreten?

Dirk: Grundsätzlich ist das ja immer interessant, ganz egal, wo man hinkommt. Wir waren ja vor dieser Tour noch nie in Amerika gewesen, auch privat nicht. Und deshalb ist das natürlich immer ein bißchen interessanter, ganz egal, welches Land das ist, welche Stadt. Da, wo man noch nie war, ist es immer ein bißchen aufregender, als wenn man zum fünften Mal nach Ulm kommt oder so. Man aber auch nicht sagen, ich möchte jetzt unbedingt mal nach Barcelona. Wenn sich so etwas ergibt, ist es schön.

M: Gibt es vielleicht eine Band, mit der ihr mal touren möchtet?

Arne: Nein. Kann man nicht wirklich sagen. Das sind ja Überlegungen, die man sowieso dauernd hat und man immer so hin und her überlegt, wie das für die ist, wie das für uns ist und wie das für das Publikum ist.
Dirk: Wir haben hier ja auch fast immer mit Bands aus dem Ausland getourt. Das war immer interessant, die Leute über einen Zeitraum von zwei Wochen kennen zu lernen, das war sehr gewinnbringend und es sind sehr schöne Freundschaften daraus entstanden. Aber man könnte nicht sagen, es gibt jetzt die eine Band, mit der möchte man unbedingt mal spielen. Vielleicht ist das dann ja auch gar nicht so toll.

M: Werdet ihr euch in Köln auch noch die Popkomm anschauen? Interessiert euch das überhaupt noch?

Arne: Die Messe werde ich mir wahrscheinlich nicht mehr angucken. Das ist mir zu wild (lacht). Wir sind noch einen Tag länger hier, aber wir sind uns noch nicht sicher, was wir dann machen.
Dirk: Wir schauen, wie wir Lust haben.

I: Ihr bastelt schon wieder an neuen Songs. Wie läuft das? Könnt ihr dazu etwas sagen?

Arne: Wenig eigentlich. Wir haben inzwischen an Ideen schon einiges gesammelt und gehen jetzt damit, früher als sonst, schon in ein kleines Studio in Hamburg von Tobias Levin, der auch der Produzent von der nächsten Platte ist. Und wir hoffen, dass wir da, früher als sonst, und in einer anderen Umgebung, auf andere Gedanken kommen.
Dirk: Aber man kann jetzt noch nichts zu irgendeiner Richtung sagen und das ist alles noch in einem sehr frühen Stadium.

M: Entsteht bei euch eher die Musik, wenn ihr Songs schreibt, oder ist es meistens erst der Text?

Dirk: Das variiert. Das kann man schlecht sagen. Ist ganz unterschiedlich. Oft hat man zuerst eine Textidee, und dann macht man Musik dazu, oder oft hat man zuerst eine musikalische Idee und macht dann den Text dazu. Das ist von Fall zu Fall verschieden. Es gibt da echt nicht so einen Standart, eine Arbeitsweise, die man so findet.

I: Wie heißt euer neuer Keyboarder noch einmal?

Dirk: Rick McPhail.

I: Wie ist der in eure Studioarbeit und in eure Proben involviert?

Dirk: Der ist da gar nicht involviert, weil wir es im Studio zu dritt machen und dem Tobias. Der wird dann wieder live involviert sein.
Arne: Wir sind da auch noch ziemlich am Anfang. Gerade jetzt für die Auftritte, die wir machen haben wir das gerade angefangen und deswegen ist das noch in keinster Weise spruchreif, was dann wirklich seine Rolle ist. Das muss man einfach noch sehen.

M: Habt ihr neben Tocotronic weitere Seitenprojekte?

Dirk: Jan hat gerade zwei Singles aufgenommen, die auch bei Rock-o-Tronic Records rauskommen. "Das Bierbeben" heißt die Band, da spielt er auch selber mit. Das ist so eine Art... ich glaube, ich tue dem nicht unrecht, wenn ich es als Kunstprojekt bezeichne.
Arne: Ja, es geht in die Kunst-Richtung. Avantgarde (lacht).
D: Und ich plane mit Thies Mynther so eine Platte, da haben wir so ein Duo, quasi. "Ghost" heißt das, und es kommt vielleicht auch nächstes Jahr raus. Der ist leider sehr sehr beschäftigt, in allen möglichen Sachen eben, viel mehr als ich. Und deshalb muss man so schauen, wie man das terminlich hinkriegt. Aber das wäre eigentlich gut. Auch sein Teil ist in dem Projekt wesentlich größer als meiner, weil er das alles programmiert und macht und ich nur ein bißchen singe (lachen).
Arne: Ich mache Trickfilme, da steht auch zum Jahreswechsel ein neuer an. Und den werden wir, mit einem Freund zusammen, Gregor Stockmann heißt der, hoffentlich irgendwann fertig kriegen. Das steht auch noch in den Sternen.

I: Wie lange sind deine Filme so? Sind es Kurzfilme?

Arne: Ja, ja. Also der letzte war neun Minuten, der neue wir eher noch kürzer.

M: Von was handeln deine Kurzfilme, Arne?

Arne: Von Tieren und wie die im Film dargestellt werden. Die Hauptdarsteller sind immer Tiere und die müssen schwere Prüfungen bestehen oder werden gequält manchmal auch.

M: Wie setzt Du das dann um?

Arne: In Legetrick. Die Figuren werden ausgeschnitten und zusammengelegt und dann wird jeweils Stop-Motion gemacht. So bewegen die sich dann.

I: Wann hast du denn mit deinen Comic-Zeichnungen begonnen, Dirk?

Dirk: Das ich so was zeichne? Ich mach das gar nicht so richtig, ich weiß nicht, so mit zehn oder so, oder zwölf. In der Schule, wenn es langweilig war, auf die Schulhefte. Ich schreibe nebenher noch ein bißchen für "Texte zur Kunst", einer Kunstzeitschrift, die jedes Viertel Jahr herauskommt. Da schreibe ich so Kunstkritiken, aber auch nur so als Hobby.

M: Wie ist das mit eurem Tourtagebuch? Erscheint das jetzt auch noch?

Dirk: Ja, das erscheint. Thees (T.S.?) Ullmann, der das geschrieben hat, auch ein Bekannter von uns, der bringt das raus im Buchverlag über seinen Lektor oder Agent oder wie er das nennt.
Arne: Ja, das erscheint auch im Buchverlag. Das hat damit angefangen, dass er das Tourtagebuch für unsere Homepage geschrieben hat und eben sehr viele Reaktionen darauf gekriegt hat. Deshalb erscheint das auch als Buch.

M: Habt ihr selber auch Mitspracherecht bei Gestaltung eurer Homepage? Macht ihr das selber?

Arne: Ja, zusammen mit Webdesignern.
Dirk: Das sind aber auch Bekannte von uns, alle sehr familiär. Das ist auch immer komisch, das zu sagen, weil das immer unglaubwürdig rüberkommt, aber irgendwie ist das schon wie eine ganze Familie von Leuten, die man so kennt.
Arne: Man macht das dann natürlich mit Leuten, die man so kennt, das ist ja klar.
Dirk: Wir geben das nicht zu Leuten, die wir gar nicht kennen.

M: Schreibt ihr da auch selbst was rein?

Dirk: Ich nicht, weil ich keinen Internet-Anschluß habe.
Arne: Ich schon. Ich bin da der Zuständige. Es ist in der Hauptsache so eine Art Archiv, um sich Sachen anzugucken, die exklusiv sind und sich über Neuigkeiten zu informieren. Obwohl das manchmal auch sehr vernachlässigt wird.

Irena und Manu


Quelle: Alternakid

rubrikenzitat News
Tourdaten
Diskografie
Texte
Tabulatur
Mailingliste
Chat
Forum
Flohmarkt
Umfragen
Tour-O-Grafie
Bilder
FAQ
Lesezeichen
Downloads & Ulk
Dig. Postkarten
Links
Team
Kontakt
Disclaimer