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TOCOTRONIC
Mit freundlicher Genehmigung von Broken Silence.

Arne Zank von Tocotronic im Email-Interview mit Jason Baton

?: Wenn man die EP "Nach der verlorenen Zeit" miteinbezieht, dann ist Eure neueste CD K.O.O.K. (VÖ im Juli) schon das fünfte Werk in vier Jahren, und das in einer Zeit, in der die Releases der meisten Bands eher im zweieinhalb Jahrestakt dahintröpfeln. Dabei habt Ihr ein Output von bis zu 18 Songs pro Platte. "Worüber man nicht singen kann, darüber muß man schweigen", so hieß es einst, doch jedes Jahr teilt ihr mit uns neuen Skeptizismus und die Einsamkeit des Wissenden. Was werdet Ihr auf K.O.O.K. diesmal mit uns teilen ?
Arne: Nun hiess es damals ja auch: "Ich muß reden auch wenn ich schweigen muß", und von daher machte es ja wieder Sinn. Bei KOOK sind wir tatsächlich bei einem 2-Jahres-Abstand angekommen, da wir gemerkt haben, dass diese Abstände nicht von irgendwoher kommen, sondern es eben solange dauert, wenn man eine Platte sorgfältig komponieren/arrangieren/aufnehmen möchte. Wenn Du aus unserer Musik "Skeptizismus und die Einsamkeit des Wissenden" heraus hörst, dann gibt es sowas bestimmt auch auf KOOK zu hören, nur noch besser als früher!
?: Quo Vadis, Tocotronic ? Mit Hans Platzgummer (früher H.P. Zinker) als Produzenten des letzten Albums "Es ist egal, aber" hat sich Euer Stil weiterentwickelt und um Streicherarrangements erweitert. Jetzt hört man von Streichern und Bläsern. Verlaßt Ihr die noisigen Pfade, goodbye Zorn?
Arne: Zorn kann man ja glücklicherweise auch mit anderen Mitteln als Noise darstellen, aber wahrscheinlich haben wir mit KOOK tatsächlich einige Pfade hinter uns gelassen (aber nur die sehr ausgetretenen). Auf "Egal, aber" war ja schon der letzte Hass-Song mit dem Titel "Alles was ich will ist nicht mit euch zu tun haben", uns war klar, dass danach nichts ebenbürtiges mehr kommen konnte. Diesmal hat uns Micha Acher von "The Notwist" einige Streicher- und Bläser-Arrangements geschrieben, die sind wieder ganz anders und noch mehr geworden als beim letzten Mal. Schliesslich wollte jedes Lied angemessen produziert werden, um die Platte geschlossener zu machen. Wir sind ja normal immer nur zu dritt (wenn wir die Lieder komponieren und arrangieren) und da ist es schön bei den Aufnahmen mehr Sichtweisen durch andere Menschen zu haben.
?: Hardrock- und Punkbands bringen standesgemäß Stücke über den Horror des Tourens respektive die Verlogenheit des Rockbusiness, also bad, bad Majors, Manager & Money. Tocotronic singen intimer, unmittelbar über das Gegenüber/die Familie/den Nachbarn oder das Umfeld. Doch sind Kleinkunst, Rotaryclub und Plattenhändler wirklich die Geißel für Euch als Musiker ? Allein in diesem Sommer habt Ihr ja erneut Konzerte und Festivalauftritte im 48h Takt, und die neue Platte will vor der Musikpresse auch besprochen sein. Nur ein "Jetzt geht wieder alles von vorne los", kein Fingerzeig auf das, was der Job mit/aus Euch macht?
Arne: Viele unserer alten Stücken (fast die ganze "Nach der verlorenen Zeit") beschäftigten sich auch mit der Situation als Rock-Musiker, aber eben solche autobiographischen Situationsbeschreibungen wollten wir diesmal vermeiden. Ausserdem gibt es uns ja jetzt schon sechs Jahre und so sehr viel interessantes und neues gibt es aus dem Band-Leben nicht zu berichten, bzw. in Song-Texten zu verarbeiten. Und jammernde Rock-Musiker sind ein Greuel! (Ausser bei Radiohead!)
?: Euer neues Video "Let there be Rock" mit einer Fanfare, die an "The Final Countdown" gemahnt, läuft auf den Musikkanälen. Was ist es wirklich, eine Hommage an den Rock, oder eine Persiflage des ganzen?
Arne: Eigentlich ist es weder eine Hommage noch eine Persiflage, eher eine Untersuchung über das was Rock heutzutage darstellt. Dabei zitiert das Lied sowohl Musik- als auch Text-Stellen. Es will sich aber in keinster Weise über irgendetwas lustig machen, dafür liegt uns der Rock zu sehr am Herzen!
?: Auf den Konzerten trifft man auf eine ganze Welle von Adidas-beschürzten Kids und der Anteil verdrängt die Blumfeld-Intellektuellen (kleine Schubladen-Fragen-Falle). Ihr seid selbst von der Genaration 1970 und die Texte spiegeln den Stand der bisherigen Erfahrung wieder. Was nun, wenn im Publikum eine Generation dominiert, die nicht Thomas Bernhard gelesen hat oder sagen kann, daß "es besser ist, vor dem Schwachsinn zu kapitulieren", sondern nur wegen dem Fun & Gehüpfe gekommen ist ? Fühlt man sich da noch verstanden, so wie ' 94 im kleinen Kreis im Hamburg?
Arne: Eine herrliche Vorstellung ist es für uns, wenn Leute nur wegen dem Hüpfen kommen und dann diese geballte Depression unserer Musik hereingedrückt kriegen, dann nach Hause gehen und ihr Leben überhaupt nicht mehr geregelt bekommen. Wir würden genauso missverstanden werden, wenn auf unseren Konzerten alle nur herumstehen und gespannt lauschen, das wäre doch sehr frustrierend. Dann kann man lieber Lesungen veranstalten. Was Hamburg ´94 angeht, wäre es ja schrecklich nach all den Jahren immer noch dasselbe Publikum zu bespielen. Und Alle verstehen immer Alles Anders, "Let there be Rock" verstehen wir selber überhaupt nicht, was soll man da erwarten?

Jason Baton

Quelle: Broken Silence

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