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Interview auf FM4 vom 18.05.1999
Vielen Dank an Matthias Schmidt für das Abschreiben des Interviews.

Es ist also passiert: Tocotronic haben in der FM4-Homebase ein 1stündiges Interview gegeben, unterbrochen von Liedern aus K.O.O.K.. Einige Vorabbemerkungen: Um 19 Uhr wurde dazu aufgefordert, Fragen an DirkArneJan ins FM4-Gästebuch zu schreiben. So habe ich dann unkreativerweise den Fragenkatalog, den Bernhard Kern vor wenigen Wochen in der Mailinglist hinterlassen hat, übernommen, mit kleinen Ergänzungen. [emphatisch] Es erfüllt mich mit Stolz sagen zu dürfen, daß einige davon tatsächlich gestellt und beantwortet wurden. Hier kommt das Interview. Es war mir zu kompliziert, die Stimmen von Dirk, Arne und Jan auseinanderzuhalten, so gibt es eben "F:" (FM4) und "T:" (Tocotronic). Das Interview führte eine sichtlich nervöse Miriam Unger.

(Let There Be Rock)

F: Ja, fast wie ein Gebet, Let There Be Rock, ein Gebet dem ich mich gern anschließe, Tocotronic, die aktuelle Single, und ich bin schon sehr aufgeregt und nervös, denn heute in der FM4-Homebase kommen sie uns besuchen, die großen, wichtigen Tocotronic in der Stunde zwischen 21 und 22 Uhr. Und sie kommen und präsentieren ihr neues Album K.O.O.K. und aus dem werden wir erste Stücke hören (...)

F: Also ich hab mir gedacht daß Euch das gefällt. Sie sind reingekommen und haben gesagt: "Geil, diese Nummer!" (zum Stück "Held" von "Smog") und sie sind da. Tocotronic, und ich sage Willkommen D.v.L., J.M., A.Z., schön daß Ihr da seid.

F: Hallo! (...) Hallo!

H: Willkommen zuhause.

T: Wir freuen uns auch, wir freuen uns auch (lachen).

F: Wie geht´s Euch denn so, ganz banal gefragt?

T: Gut.

T: Nach dem langen Interview-Tag innerlich zerrüttet,aber Happy Hour.

F: Das heißt den ganzen Tag Presse und Interviews und das neue Album vorstellen und die immer gleichen Fragen.

T: Ja, sozusagen, aber jetzt beginnt die Happy Hour von daher sind wir bester Laune.

T: Ja.

F: Das ist schön. Wir freuen uns schon sehr, es sind wahnsinnig viele Fragen reingekommen, weil wir haben ja aufgerufen seit 19 Uhr daß alle Hörer da draußen irgendwie heute mitreden können und die haben angerufen, haben ins Gästebuch geschrieben, und es ist ein Haufen Fragen da, wir werden sicher nicht alles beantworten können, aber das eine oder andere schon (...) (Werbung)

F: O.K., das hätten wir absolviert, jetzt verratet uns doch etwas bevor wir was spielen vom neuen Album K.O.O.K.. Es hat glaube ich 2 Jahre gebraucht bis ein neues Album von euch da war, K.O.O.K., wo habt Ihr das aufgenommen?

T: An verschiedensten Orten in verschiedenen Ländern.

F: Also diesmal reisend quasi, einmal im Exil in Frankreich, früher mal, und viel in Hamburg, und jetzt an ganz verschiedenen Orten, oder wie?

T: Genau. Wir haben einen ziemlich großen Teil in Frankreich aufgenommen in dem Studio wo wir letztes mal auch waren zur letzten Platte, und einen Teil haben wir in Weilheim in Bayern aufgenommen,...

T: Freistaat, Oberbayern...

F: Und habt Ihr Euch da auch zusammengetan mit den Musikern von dort, von Weilheim, mit äh...

T: Genau, der Micha Acher von der Gruppe The Notwist und Tied & Tickled Trio hat die Bläser- und Streicherarrangements für die Platte geschrieben.

F: Die Bläser, verstehe. Die sind ja sehr sehr großartig geworden.

T: Danke, Danke.

F: Und die Zusammenarbeit mit Weilheim, die war gut. Das heißt es gibt jetzt also eine neue Achse Hamburg-Weilheim.

T: Das könnte man vielleicht so sagen (lachen).

T: Aber die gibt´s ja eh schon ein bißchen länger, aber eher auf Freizeit beruhend als auf Arbeit. Auf Biergartenebene findet die statt (lachen).

F: Na das ist ja die wichtigste finde ich. Es ist vielen so vorgekommen als wolltet ihr mit dieser neuen Platte euer eigenes Universum sprengen, so Grenzen finden und über die Grenzen hinausgehen und irgendwie so raus in die Welt und kommunizieren mit anderen (schweigen). War das für Euch so, ist dieser Eindruck richtig, das Tocotronic-Universum erweitern?

T: Auf jeden Fall, also es sollte auch ein Bruch sein mit den vorigen Platten, wobei wir damit ja auch sehr zufrieden waren. Aber das Universum so wie es bis dahin da war, das war so nicht mehr zu verbessern und so mußten wir ein bißchen was neues suchen.

F: War das ein bißchen zu eng?

(ein Handy klingelt, ein T zieht sich zurück und telefoniert)

T: Von den Möglichkeiten die man sich so geschaffen hat war es ein bißchen zu eng wenn man das so sagen möchte. Es ist halt so daß man einfach irgendwann ein bißchen halt weiterkommen möchte in jeder Hinsicht so und dann natürlich anders... anders rangeht. Und was halt schön war daß man mit anderen Leuten halt wieder was macht was natürlich Spaß bringt, was andere Leute für Einflüsse dann reinbringen oder wie sie so zusammenarbeiten, das ist halt schön.

F: Da komme ich gleich zur Österreicher-Frage. War Hans Platzgumer diesmal wieder dabei?

T: Der war diesmal nicht mit dabei. Der hat nach unserer letzten Zusammenarbeit fluchtartig die Stadt Hamburg verlassen (lacht)...

F: Aber nicht wegen Euch.

T: ...nein, aber der ist dann weggezogen nach München, zum Teil auch an den Bodensee, nach Bregenz in die Ecke glaube ich (es ist Lochau, die Liebe... d.Verf.) und deshalb hat das sich gar nicht so gestellt. Das war eine sehr spannende Erfahrung mit Hans da zusammenzuarbeiten für die letzte Platte, aber das wäre sicherlich auch irgendwie nicht nochmal in der Form so möglich gewesen, und deshalb hatten wir gedacht machen wir das nicht.

F: Gut. Na, ich hab noch viele Fragen, und wir haben noch viel zu plaudern, viel zu wenig Zeit. Ich möchte jetzt gleich das Anfangsstück spielen, nämlich K.O.O.K..

(K.O.O.K.)

F: Sie sagen: "Wir sind so ernst.", was sollen wir da tun?

T: Wer sagt das?

F: Sie sagen das, Big Brother.

T: Geisterstimmen!

F: (...) Ich würde euch gern fragen ob da so ein Druck war, wieder so für eine Generation sprechen zu müssen, oder ob das gar nicht da war und Ihr habt einfach das gemacht was gerade für euch angestanden ist und ihr habt Euch da gar nicht viel vorgenommen und es war gar kein Druck da. Wie war das?

T: Also, natürlich gibt es da so einen Druck, den man sich selber schafft, daß man dann merkt wo man nicht mehr so weiterkommt, wir wollen halt schon mit der Platte neue Wege gehen oder was, und deswegen hat man sich selber so ´nen Druck zu schaffen natürlich aber der war nicht unbedingt von außen.

T: Wir haben ja nie für uns selber beansprucht für eine Generation zu sprechen. Es ist schon klar, daß bestimmte Leute da sehr viel geben auf unsere Musik aber ich finde das dann ja auch interessant was ganz neues zu machen und auch solche Erwartungen von Leuten zu durchbrechen.

F: Ja auf jeden Fall. Also ich denke, daß man eh das machen muß wonach man sich fühlt und wozu man Lust hat, oder?

T: Ja. Sehr richtig, sehr richtig (lachen).

F: Ich hatte so das Gefühl musikalisch ist da auch irrsinnig viel passiert bei euch, und irgendwie auch so eine Orientierung an amerikanischen Bands, also ich habe irgendwie so mir gedacht, also Dinosaur jr. ist ja bekannt, daß Ihr das gerne hört, oder auch Sonic Youth und Pavement, also viele Leute waren da da, aber es ist irgendwie sehr gut musikalisch verwendet worden von euch. Was habt Ihr Euch da musikalisch vorgenommen gehabt für dieses Album?

T: Zunächst mal hatten wir gedacht diese Aufsplitterung in sehr schnelle und sehr langsame Stücke oder auch innerhalb der Stücke so ´ne Dynamik, also sehr leise und sehr laut, wie wir es auf der letzten Platte so ein bißchen ins Extrem getrieben hatten zu vermeiden und eher so ´ne sehr sehr geschlossene Platte machen also die Tempi der Stücke so ein bißchen angleichen oder auch die Stimmung der Stücke so ein bißchen aneinander angleichen oder zumindest... ja... angleichen wollt ich eigentlich sagen, so daß das Album in sich sehr geschlossen geworden ist. Das war eigentlich genau das was wir uns vorgenommen hatten. Weil so in die Extreme zu gehen da hatten wir nicht das Gefühl da noch weiter arbeiten zu können.

F: Und inhaltlich, habt Ihr Euch da irgendwie textlich auch bestimmte Dinge vorgenommen oder ist das jetzt so ein Konglomerat von Dingen die so passiert sind und zueinandergefunden haben?

T: Es ist eher so daß es nicht mehr so eine Bestandsaufnahme ist von dem was passiert ist und nicht mehr ganz so... äh... jetzt fehlt mir das Wort... ganz so... verflixt...

T: ...aus dem Bauch heraus, oder plakativ...

T: ...nee, nee...

T: ...selbstreferenziell...

T: Das is ´en gutes Wort (lachen) (Pause)

T: Authentisch! Das es nicht mehr so authentisch sein muß wie bisher sondern daß wenn da "ich" gesungen wird, daß das nicht unbedingt Dirk oder wir jetzt sein müssen, sondern daß das etwas abstrakter ist so insgesamt.

T: Bei vielen Stücken der letzten Platte hatten wir auch gedacht sind wir sehr, sehr weit gegangen was so ´ne Authentizität sein kann - wahnsinnig schweres Wort (lachen) - also zum Beispiel so ein Stück wie "Meine Schwester" oder so was tatsächlich wie ´ne musikalische Grußpostkarte an in dem Fall meine Schwester als real existierende Person auch gedacht war und das fanden wir damals auch sehr spannend, aber bei dieser Platte ging es eher darum, andere Ichs und andere Gegenüber zu konstruieren die nicht notwendigerweise was mit uns oder mit unserem Leben zu tun haben.

F: Stimmt es daß Ihr euch jetzt auch von Hamburg etwas gelöst habt insofern daß es nicht mehr so wichtig ist die Einflüsse dieser Stadt selber, also daß Ihr jetzt auch viel rumgekommen seid...

T: Genau, International Jet-Set sind wir ja schon seit einiger Zeit (lachen), Madrid, Berlin...

F: Nun, wenn man das jetzt ganz unzynisch sieht, als Realität annimmt, spielt das eine Rolle für Euch, oder ist Hamburg immer noch so eine wichtige Anker... oder beides?

T: Beides ist vielleicht ganz gut (lachen).

F: Einigen wir uns auf beides.

T: Nee, aber, zu Hamburg an sich, wenn man das so Musikszene-mäßig sieht, war das nie so wahnsinnig wichtig für uns, als daß man das so als Anker sehen kann, aber natürlich kommt man viel herum als Musikant, und man hat wahrscheinlich noch weniger so ein Heimatgefühl oder sowas.

T: Aber so ´ne Aufsplitterung der Texte in so was bißchen rätselhafteres oder in so ´ne weniger authentische Art zu erzählen oder sowas, hat eigentlich nicht notwendigerweise damit zun tun daß man sich von Hamburg als "Homebase" gelöst hat, das glaub ich eigentlich nicht...

T: Entfernt...

T: Genial den Titel der Sendung untergebracht (Homebase) (lachen).

F: O.K., ich glaube jetzt sind die Hörer dran, und die Stellen glaube ich ganz andere Fragen.

H (Hörer am Telefon): Studiert Arne eigentlich Illustration auf einer Kunstuni?

T: Also nicht direkt. Es ist eine Fachhochschule für Gestaltung muß ich bescheidenerweise sagen, also war es, weil ich leider nicht mehr da studiere, und die Studienrichtung die ich da eingeschlagen hatte war Illustration.

H: Also doch. Ich habe gehört, bei der letzten Platte ist euch das alles zu intim geworden. Ihr singt doch über so Sozialprobleme mehr oder weniger. Habt Ihr das auch weiterhin vor? Ich habe irgendwie so das Gefühl das ist jetzt total falsch verstanden, weil Lieder wie Drüben auf dem Hügel etc. die gehen rein auf die Stimmungen ein (...) und drum glaube ich daß das fast ein Klischee ist daß Ihr soziale Probleme und so bearbeitet.

T: Und wer sagt das, daß wir das tun?

H: Das habe ich im Libro Journal gelesen.

T: Ach so (lachen), das ist ja gut zu wissen. Ich glaube aber nicht, daß uns Sozialkritik als Thema so am Herzen liegt, auch weil es so ein extrem ausgelutschtes Wort ist, oder so. Wer oder was gibt sich nicht gerne extrem sozialkritisch? Das ist genauso wie das Wort Querdenker oder sowas.

H: Ja, Kleinbürger und so weiter...

T: (lachen) Nee, das ist wieder ganz was anderes. Ich glaube daß direkte Sozialkritik uns nicht so am Herzen liegt, wenn dann ist es vielleicht eher eine Bestandsaufnahme oder Analyse von Vorgängen innerhalb der Gesellschaft oder auch natürlich in einem selbst oder um einen selbst herum was uns beschäftigt, aber nicht in dem Sinne Sozialkritik mit dem Fingerzeig auf Wunden der Gesellschaft (lachen). (...)

F: Viele gute Fragen aus dem Gästebuch: Was war das für ein Bier das Ihr mit Heinz (die Band aus Wien mit dem Lied Ich habe mit Tocotronic Bier getrunken, d.Verf.) getrunken? (Mit eine Frage von Bernhard Kern, d.Verf.)? Kennt Ihr die Nummer von Heinz?

T: Ich habe mal in Köln ein Bier - ein Kölsch wahrscheinlich - ja, diese kleinen...

T: Kölsch ist so ´ne spezielle Art von Bier und die werden in recht kleinen, reagenzglasartigen Behältnissen ausgeschenkt, also es war ein sehr sehr kleines Bier.

F: Die andere Frage war, wieviele Trainingsjacken habt Ihr? (Auch eine Frage von Bernhard Kern)

T: Einige, also - großer Speicher zuhause - ...

T: Ich bin gerade umgezogen und habe festgestellt, daß ich wirklich sehr viele Trainingsjacken habe, aber nur noch die wenigsten davon trage. (Jan)

T: Ich besitze genau zwei. (Dirk)

T: Ich besitze auch sehr viele, aber ich trag auch nur noch wenige (Arne).

T: Sag mal ´ne Zahl.

T: Ich schätze mal so 20. Ich glaube, das ist im Fall von Jan sogar noch untertrieben (lachen).

F: Aber heute gar keine an.

T: Heute nur Jacke und T-Shirt.

T: Heute ich komischerweise...

F: O.K., spielen wir noch ein Stück.

(Die Grenzen des guten Geschmacks 1)
(musikalisch völlig anders als Teil 2. Toll!, d.Verf.)

F: Ist das ein Hubschrauber am Ende des Stücks?

T: Kein wirklicher, das ist mit Computertechnik simuliert. Elektronik.

F: Verstehe. Wie beim großen HipHop-Auftritt, Hubschrauber.

T: (lachen) Genau.

F: Genau, grins! (war wohl ein Insider, d.Verf.). (...) Am 2. Juni kommt Ihr ja dann auch spielen ins Radiokulturhaus. Wisst Ihr, daß das innerhalb einer halben Stunde ausverkauft war?

T: Wir haben das gehört und haben das...

T: ...dankend zur Kenntnis genommen.

F: Ihr habt ja vorher geblättert in den Fragen, die via E-Mail..., was spricht Euch denn da an, ich tu mir da so schwer...

T: Also, eine Frage fand ich sehr interessant: Ich möchte wissen, was Dirk, Arne und Jan so heizen, Klammer, ich meine rauchen (Gelächter). Kann ich jetzt erstmal hier antworten, meine Zigarettenmarke ist meistens Gauloises Blondes Légères.

T: Ich möchte eigentlich ungern Werbung machen, aber da ich ja so ehrlich bin, sage ich, daß ich auch Gauloises rauche, und zwar diese blauen, blond heißen die, und ansonsten eher P&S, aber... (nicht unironisch) Eigentlich ist es schrecklich zu rauchen, ist keine gute Sache.

T: Ich hab ja einst Marlboro geraucht mit starker Überzeugung, aber bin jetzt seit einem Jahr Nichtraucher.

T: Toi, toi, toi.

T: Und da wollen wir mal gratulieren (lachen).

F: Ich bin seit Jänner Nichtraucherin.

T: Und, schlimm?

F: Gut!

T: Macht keinen Spaß, ne? Ich fang wieder an jetzt.

T: Aber Spaß macht´s nicht. Es ist gut, aber es macht keinen Spaß, kann man sagen (lachen).

F: Nein, also, Spaß macht´s schon zu rauchen.

T: Aber was macht schon Spaß?

F: Noch eine Frage...

T: Die Alkoholfrage (wieder von Bernhard K.), die find ich ein bißchen...

F: Nein, die Bilderfrage: Welche Bilder/Posters hängen in euren Zimmern/Wohnungen/Häusern (exakt übernommen von B.K.!, d.Verf.)

T: Ah ja das ist...

T: (lachen) Also in meinen Häusern, im einen Haus...

T: In meinem einen Zimmer hängt nur eine Decke mit so Hunden drauf, 3 Hunde...

T: Sehr niedlich.

T: Und wo kommt die her? Das ist vielleicht ganz interessant...

T: (ernst) Die hab ich geklaut, in einem Hotel in irgendeiner Stadt...

T: In Österreich, Wels!

T: Nein, irgendwo in Deutschland.

T: Aber du hast doch noch so irgendwas geklaut aus Österreich...

T: Das war ein Gösser (Ö-Bier, d.Verf.)-Teppich, der mir dann wieder abgenommen wurde.

T: Der wurde leider wieder abgenommen von Spießern.

T: (lachen) Von Nazis.

T: Dann hab ich noch ein Poster „Hodi, benimm dich“, ein Film von Rudi Carrell und in meiner Küche hängen sehr viele Kiss-Poster.

T: Allerdings.

T: Allerdings, die Küche ist total voll.

T: Und bei mir einem Zimmer hängt ein Poster, ein Filmplakat von John Wu, „The Killer“ (Gelächter), und an einer Tür hängt ein Ausstellungsposter von Mike Kelly, aus New York so ´ne Ausstellung, und in der Küche hängt bei mir alles voll mit Thomas-Bernhard-Postern

T: Das ist so Kiss-ähnlich (lachen).

T: Ich hab eigentlich kaum Bilder an den Wänden, mir fiel nur grade ein daß ich ein Bild hab, da ist eine Katze drauf, und zwar ist das so ein Bild wo man so Pappen...,das man als Kinderspielzeug kaufen kann, die man so ausnähen kann, da sind so Löcher drin, da kann man die Figur so ausnähen, das hab ich mir aufgehangen, weil es sehr reizend und geradezu niedlich aussieht (lachen).

T: Ich hab auch noch ein „Conan der Barbar“-Poster...

T: Stimmt, das ist auch nicht schlecht.

T: ...und ein „Starship Troopers“-Poster.

T: Hab ich auch, genau (lachen).

F: Dann: Welche Band würdet Ihr schon immer gern mal live hören (1:1 von Bernhard.K.!, d.Verf.).

T: Oh. Schwierige Frage.

T: Pallace Brothers muß ich sagen, die hab ich nämlich nie gesehen.

T: Da waren wir immer auf Tour grade.

T: Ärgerlich.

T: Stimmt. Scott Walker würd ich sehr gerne mal live sehen. Das muß ein irrsinniges Ereignis sein. Aber ich glaub nicht das der überhaupt je auftritt. (...)

H (Telefon): Was hat es eigentlich mit dem Stück „Freiburg“ auf sich, hasst Ihr die Stadt wirklich?

T: Ja! Weil ich da gewohnt hab, also ich bin Dirk jetzt, ich komme ja aus Offenburg im badischen Raum, und Freiburg war die nächstgrößere Stadt wo ich dann hingezogen bin nachdem ich bei den Eltern glücklicherweise ausgezogen war, und das war so ´ne herbe Enttäuschung, die Stadt, das war echt schlimm. Obwohl es mir eigentlich hätte klar sein müssen, weil ich bin ja nun nicht das erste mal dagewesen. Aber wenn man wegzieht verbindet man damit schon so Wunschträume, und Freiburg ist echt, ähm, eine Todeskrankheit.

T: Depressionen...

H: Ich bin nur zweimal durchgefahren.

T: Und das hat schon gereicht, ne?

H: Und, werdet Ihr in Zukunft mehr auf englisch singen?

T: Nein, also K.O.O.K. ist eigentlich nur so ein bißchen englisch wenn man ganz ehrlich ist. Und das andere ist Let there be rock und dabei handelt es sich ja auch nur um ein Zitat, das ist nicht wirklich in dem Sinne...

F: (unwissend) Ist das ein Zitat?

T: Ja, AC/DC heisst die Band (lachen).

F: Da bin ich immer schwach, bei AC/DC und Kiss bin ich ja leider... Das sind ja die Bubenbands.

T: (lachen) Das sind die Bubenbands, das stimmt!

F: (...)Alles klar, verstehe, danke, ich hab wieder was gelernt, schön! (...) Das war´s für dich. (Pause) (euphorisch) Du warst jetzt mit Tocotronic verbunden!... O.K., ich hör schon auf. (...)

T: (lachen) Wahnsinn! (...)

H (Telefon): Ihr habt vorher gesagt, daß Ihr Euch so von Hamburg entfernt habt, habt Ihr da überhaupt keinen Austausch mit den Diskursen die damals so gelaufen sind in Hamburg, mit den Sternen oder mit Blumfeld? Hat das total aufgehört, oder ist da noch was da?

T: Der Austausch der mal da war zwischen Die Sterne und Blumfeld und uns ist auch immer noch genauso da, also, man trifft sich halt öfter, redet, unter anderem auch über Musik (lachen), wenn´s mal so weit kommt, also das gibt´s schon. Das hat damit nichts zu tun, also das ist jetzt vielleicht so ein bißchen falsch rübergekommen. Wir haben uns nicht wirklich aus Hamburg entfernt oder so, also wir wohnen da immer noch alle und sind auch recht froh, da zu wohnen, aber, ja.

H: Ich habe das Gefühl gehabt, daß nachdem alle so bekannt geworden sind, der Dorfcharakter von Hamburg irgendwie aufgehört hat, also das alles irgendwie auseinanderläuft.

T: Nee, Hamburg ist immer noch ein Dorf, nach wie vor.

T: Im Gegenteil, für mich persönlich stellt es sich jetzt noch viel dörflicher dar, also ich bin nämlich nach der letzten Platte umgezogen, in ein anderes Stadtviertel, vorher ja Bahrenfeld, ist ja vielleicht bekannt, und da bin ich wirklich von der Kleinstadt, wo ich ja herkomme, ins Dorf gekommen, kann man sagen. Und da ist der Austausch eigentlich größer denn je, weil bei mir um die Ecke ist so ein Café, wo wirklich jeder... wo wirklich morgens schon Jochen (Distelmeyer, d.Verf.) sitzt mit dem Cognacglas und Texte schreibt wie einstmals Jean-Paul Sartre, und da ist der Austausch quasi unvermeidlich.

F: Wie findet Ihr das was Blumfeld als letztes gemacht haben?

T: Schön. Schöne Platte.

F: Wir haben auf FM4 On Air ganz viel diskutiert und so, war das für euch auch Diskussionsstoff?

T: Oh ja, das war natürlich spannend, das ist ja sehr interessant wenn eine Band so lange ´ne Pause macht und was dann wieder kommt, und da haben wir durchaus auch diskutiert, aber (lachen) das muß man jetzt nicht unbedingt...

F: O.K., wir lassen die Blumfeld-Diskussion und spielen noch ein Stück.

(Morgen wird wie heute sein)
(von den bekannten absolutes Lieblingsstück! UNFASSBAR SCHÖN!, d.Verf.)

F: Bei diesem Stück da gibt es so viel zu sagen. Irgendwie ist es erstens total filmisch, finde ich, und es ist irgendwie über so viele Leute die man so immer beobachtet... wenn man danebensteht... oder? Ich weiß nicht, ist das ein besonderes Stück für euch, das Euch was besonderes bedeutet, oder bedeutet einem eh jeder Song was besonderes?

T: Ähm, ja, das bedeutet schon allein deshalb was Besonderes für uns weil da die Arrangements, die Micha Acher ja gemacht hat, ganz besonders schön geworden sind, und das war echt ´ne Überraschung das zu hören, als das fertig war, weil das einfach immer sehr spannend ist, wenn man was gemacht hat, und dann kommt etwas dazu, was sich aus dem eigenen Universum so rauslöst, und das finde ich sehr besonders dabei.

T: Weil wir da auch Micha quasi so ziemlich freie Hand gelassen haben, und einfach gesagt mach´ doch da mal Streicher und vielleicht so ein paar Beispiele genannt haben was uns gefällt, und dann hat sich das Stück wirklich grundsätzlich nochmal verändert.

F: Das wollte ich eh fragen, wie oft geht Ihr über Texte, über ein Arrangement drüber? Seid Ihr da große Perfektionisten geworden?

T: Also bei der Platte war´s wirklich so gerade bei den Arrangements daß wir Sachen sehr häufig im Studio und davor auch im Proberaum nochmal komplett umgeschmissen haben und nochmal ganz neu gemacht haben, das war schon perfektionistisch, oder nahezu perfektionistisch (lachen), ja.

F: Weil das einfach auch Spaß macht, wenn man beginnt, mit diesen Geräten umgehen zu können, oder was auch immer (WAS soll denn DAS bitte heißen??, d.Verf.).

T: Wie sich über längere Zeit hinweg etwas verändert, das ist ja schon einfach auch sehr interessant, so mitzuverfolgen oder da mitzuarbeiten. Und mit den Texten ist es immer so, daß ich die ja schreibe, und dann findet schon eine Auseinandersetzung zu dritt mit den Texten statt. Teils auf so ´ner formalen Ebene, wo man sagt, vielleicht würde das oder jenes Wort besser passen, und dann natürlich auch ganz stark auch auf ´ ner inhaltlichen Ebene.

F: Sind da die Leute mit denen du dich auseinandersetzt quasi deine Band, oder gibt es da noch Leute außen mit denen du deine Texte besprichst oder brauchst du noch Leute von außen? Oder überhaupt Ihr?

T: Schon. Also erstmal hauptsächlich natürlich die Band mit der man das bespricht, aber dann sind da noch enge Freunde oder so da mit denen man über Sachen redet, klar.

F: Eben Jochen Distelmeyer zum Beispiel. Ist das so jemand mit dem man dann über Texte spricht?

T: Komischerweise über Texte gar nicht so. Der war mal neulich bei mir und dann ging´s eigentlich nur um Musik.

T: Der hat auch die Reihenfolge mitbestimmt...

T: Jaja, aber die Texte komischerweise, komisch, da haben wir überhaupt nicht geredet, weil er auch so „wie findest du die Texte von der Blumfeld-Platte“ - „kurze Antwort“ - „egal, lass uns darüber nicht reden“ und so.

T: Fragst du eher so die Gemüsefrau von nebenan?

T: Da geh ich so...(lachen).

F: Noch eine Frage aus dem Gästebuch: Welches Tocotronic-Lied ist euer persönliches Lieblingslied?

T: Oh. Bei mir ist das im Augenblick ein Lied von der Platte, von der demnächst erscheinenden, ja, und das heisst „Jenseits des Kanals“.

T: (zögert) Ich hab kein richtiges Lieblingslied.

T: Hm. Ich kann´s auch schwer sagen, aber „Jenseits des Kanals“ halt ich eigentlich auch... für ein sehr gutes Lied (lachen).

F: Dann müssten wir das am Schluß ja fast spielen.

T: Dann eigentlich auch. Dann zieh ich mit. Den Gaul reit´ ich mit.

H (am Telefon): Bei den alten Platten kommt ja schon Kritik an der Gesellschaft zu Vorschein, z.B. Ich verachte Euch... (...) Steht Ihr dazu, ist das wirklich ernst gemeint, ist das wirklich aus Eurem Leben, oder sagt Ihr, mit den alten Platten wollen wir abschließen und nichts mehr damit zu tun haben?

T: (einstimmig) Nein, das ist schon ernst gemeint, da stehen wir auch dazu, und das finden wir auch nach wie vor gut was wir gemacht haben, vielleicht von einigen Ausnahmen abgesehen (Ich bin neu in der..., d.Verf.) von denen man sich ein bißchen distanziert. Aber im allgemeinen ist das schon, also, es ist nur so daß man mittlerweile ein bißchen was anderes machen wollte, weil, es ist ja auch langweilig sich zu wiederholen.

T: und aus dem Leben sind die zum Teil gegriffen, die Sachen, z.B. wie bei Freiburg, und zum Teil sind die auch inspiriert von anderen Sachen.

H: Warum hat Michael Ende Euer Leben zerstört.

T: Das ist eine sehr gute Frage, aber auch sehr schwierig zu beantworten.

T: Das Stück ist schon sehr lange her.

T: Ich muß das ein bißchen revidieren, ich hab mir letztens von einer Freundin drei Hörspielcassetten ausgeliehen, Die Unendliche Geschichte, weil ich immer so Einschlafstörungen habe und zeitweise nur mit Hörspielen einschlafen kann, und da gelingt einem das wunderbar.

T: Das hat so seinen Zweck auch erfüllt.

T: Wie gesagt, toll ist es nicht, aber man kann damit gut einschlafen.

T: Zerstört in dem Sinne daß das in der Zeit als wir aufgewachsen sind so das Paradebeispiel für gute Jugendliteratur war, die pädagogisch einen Wert hat, und die einen zu mehr Phantasie oder zu irgendwas erzieht, und irgendwie hat man da als Kind schon gemerkt, daß das, ich sag´s jetzt mal auf weilheimerisch, Bullshit ist, was da drinsteht, und deshalb. Weil man einfach zu der Generation gehört, die mit diesem Kram vollgestopft worden ist.

F: (...) Danke an alle die gefragt haben (...). Aber Ihr kommt und spielt ja wieder.

T: Selbstverständlich gern.

T: Und da stehen wir auch für Fragen, Anregungen, Kritik...

T: ...immer offen.

F: Wir danken Euch, es war sehr schön. Wir haben noch Karten und geben die jetzt her. An wen nur?

T: An uns?

F: Ja, für jeweils Euch und eine Freundin... nein, Blödsinn. (...). Danke, und wir hören jetzt noch „Jenseits des Kanals“. Oder?

T: Ja - Doch - Super - oder... - ja, doch. (...). Klar.

F: Eure gemeinsame Lieblingsnummer, wie Ihr gemeint habt. (...) Danke, Tschüß, bis bald.

T: Danke - Tschüß!

(Jenseits des Kanals).

So, jetzt bin ich fit für die Schreibmaschinen-WM. Schon bekanntes, interessante Einsichten, spannende Aussichten, und, wer´s gehört hat, super neue Lieder!

Danke für die Aufmerksamkeit.

Gruß Matthias

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