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Mit freundlicher Genehmigung von Daniel Decker von www.nillson.de.

Lovecraft und die Musik (Im Interview: Dirk von Lowtzow / Tocotronic)
Schwer pubertär verschlang ich die Romane und Kurzgeschichten von H.P. Lovecraft massenweise. Horror musste ja, doch wo die anderen auf Stephen King und seine elegisch langweiligen Ausführungen zurückgriffen, lag mir der unbenennbare Wahn von Lovecraft mehr. Weitestgehend von Edgar Allen Poe inspiriert, schuf er mit Cthulu und dem Necronimicon einen eigenen Mythos, der so raffiniert konzipiert war, dass selbst heute (oder gerade heute?) einige glauben, das Buch "Necronomicon" und somit den darum gewobenen Kult gäbe es tatsächlich. Durch die Verquickung real existierender historischer Personen, wie beispielsweise John Dee, und reiner wahnwitziger Fiktion entstand ein eigener Grusel, der durch die Erzählweise in Art eines Tatsachenberichts unterstrichen wurde. Und auch die Biographie Lovecrafts scheint mythischer nicht sein zu können.
Mit gerade mal drei Jahren verlor er seinen Vater, der nach einem Nervenzusammenbruch fünf Jahre in einem Hospital dahinvegetierte. Schon früh erlernte der kränkliche Junge das Lesen und auch das Schreiben. Die gesamte Kindheit war bis zu seiner High School Zeit von Einsamkeit geprägt. Mit 18 erlitt auch er einen Nervenzusammenbruch, der ihn dazu zwang, ohne Abschluss die Schule zu verlassen. Und, so sagt man, auch seine Mutter wurde in eine Nervenheilanstalt eingeliefert, nachdem sie einen Nervenzusammenbruch erlitt. Wahrlich gefundener Boden, um auf ihm Geschichten über so Schreckliches gedeihen zu lassen, dass man es nicht mal benennen kann.

Cthulus Ruf - Musik?
Was das alles mit Musik zu tun hat? Ebenso wie J.R.R. Tolkien erreichte Lovecraft mit der Zeit einen enormen, man muss es so nennen, Kultstatus. Den Büchern folgten selbstverständlich Verfilmungen. Sogar Spiele gibt es, die auf dem Cthulu-Mythos und der von Lovecraft erschaffenen Welt basieren. So stützen sich nicht nur Computerspiele wie "Alone in the Dark" oder "Prisoner Of Ice" auf Schriftstücke von ihm, sondern gar ein ganzes Rollenspiel namens "Call Of Cthulu". Cthulu selbst ist eine Mischung aus Oktopus und Drachen. Ein mit Tentaklen geschmückter Kopf ziert das Unwesen von unaussprechlicher Grausamkeit. Und so sind nahezu alle Geschöpfe, die Lovecraft erschuf, unaussprechlich grausam. So schrecklich, dass man dem Wahnsinn verfällt, wenn man sie nur erblickt. Und alt, meist seit Äonen bevölkern sie die Erde zuerst als Herrscher, dann im Geheimen, nur darauf wartend, dass man sie erweckt und zurückholt.
Kein Wunder, dass das auch andere Leute zu Werken inspiriert. Gerade Metalbands sind für solcherlei Phantastereien anfällig. Die berühmteste, die sich auf Lovecraft beruft, wird hierbei sicherlich Metallica sein. Schon auf dem 84er Album "Ride the Lightning" findet sich mit dem Instrumental "The Call of Ktulu" eine Referenz, die mit "The Thing That Should Not Be" auf "Master Of Puppets" ausgebaut wurde. So heißt es in diesem Song "Not dead which eternal lie stranger eons death may die", was sich eindeutig auf Lovecrafts Zeilen "That is not dead which can eternal lie, And with strange aeons even death may die." bezieht.
Der 1986 tödlich verunglückte Bassist Cliff Burton und Gitarrist Kirk Hammett bewunderten Lovecraft und Hammett erklärte in einem Interview die Geschichte hinter "The Call Of Ktulu" wie folgt:
"Ktulu ist ein Lovecraft Charakter. Er ist groß, er ist ein allmächtiger und allwissender Koloss. Wir dachten, es wäre cool einen Song nach ihm zu benennen, weil der Song ebenfalls groß und mächtig ist." (Quelle: http://metallica-tabs.net/hinterview8.html)
Die Liste der härteren Bands, die ihre Inspiration in den Büchern von Lovecraft suchten, ließe sich unendlich fortsetzen. So benannten auch Cradle of Filth einen Song nach Cthulu ("Cthulu Dawn" auf dem 2000er Album "Midian").Aber auch Rage, Tiamat, Therion, Morbid Angel oder gar Black Sabbath berufen sich in einzelnen oder gar mehren Songs auf seine Geschichten. Ganz zu schweigen von unzähligen Bands, die ihren Bezug alleine durch ihre Namensgebung deutlich machen wie z.B. Necromicon, H.P. Lovecraft oder Shub-Niggurath.

Na und?
Genau, na und? Will Nillson.de jetzt in die Sümpfe des Speed-, Thrash-, Dark-, Black- oder sonst was Metal hinabsteigen? Eine Rollenspielgruppe gar gründen? Nein, worauf ich hinauswollte ist, dass sich auch abseits des Metals immer wieder Einflüsse von Lovecraft entdecken lassen. Sein Wirken beeindruckt auch viele Musiker aus der so called Indie-Szene. Ansporn war hier vor allem die Veröffentlichung der neuen Platte "Yog Sothoth" des Kölner Experimental-Duos Workshop. Benannt nach einem Charakter von Lovecraft. Gleich in mehreren Geschichten taucht diese Kreatur auf. Eine Wächterfigur, die weiß, wann die großen Alten - die wohl schrecklichsten und grausamsten Wesen im Lovecraft Kosmos - wieder die Erde regieren werden. So heißt es in "The Dunwich Horror" Yog Sothoth sei Vergangeheit, Gegenwart und Zukunft in einem. Ein allumfassendes Wesen.
Perfekter Titel für ein Album und auch Tocotronic Mastermind Dirk von Lowtzow, selbst Lovecraft Fan, zeigt sich begeistert. "Es hat mich auch sehr gefreut, dass auch sie nochmal den ollen H.P. aus der Hutschachtel gezaubert haben.", sagt er im Interview über eine seiner "Lieblingsbands".
Doch schon viel früher kann man Referenzen zu Lovecraft erkennen. Da wäre zum Beispiel der The Fall-Song "Spectre vs. Rector", in dem ebenfalls ein Dämon namens "Yog Sothoth" eine Rolle spielt. Und auch Tocotronic setzten auf ihrem weißen Album mit dem Stück "Das Böse Buch" Lovecraft ein Denkmal. "Das Necronomicon liegt schon bereit" heißt es dort. Dirk von Lowtzow meint eine Erklärung für die stets anhaltende und Genre übergreifende Faszination zu haben: "Dass Matallbands auf Lovecraft stehen, erscheint mir nicht sehr verwunderlich, denn bei denen soll es ja traditionell eher gruselig zugehen. Ich glaube, meine Begeisterung für ihn liegt eher seiner unnachahmlichen Art begriffen, die Sprache delirieren zu lassen, in seinen beknackten, konsonantischen Wortschöpfungen und der Art, wie er einen ganzen Kosmos auf Wahn und Halluzination aufbaut. Der sprachliche Aspekt interessiert mich eher als der 'gruselige' Inhalt. Ich kann nicht für Mark E. Smith sprechen, aber ich denke, ihm geht´s ähnlich."

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Quelle: www.nillson.de

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