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Mail-Interview 2010

Es waren wieder einige Fragen die uns auf den Nägeln brannten. Und so konfrontierten wir Tocotronic mitten im Tourstress der Herbsttour 2010 mit den im Forum gesammelten Fragen. Hier die Antworten:

Schall & Wahn
Tx: Erinnert der Anfang von "Das Blut an meinen Händen" nicht auch euch ein wenig an die Filmmusik aus Karl-May-Filmen?
Tocotronic: Nein
Tx: Erinnert euch die Solo-Gitarre auf "Eure Liebe tötet mich" nicht auch ein wenig an die Titelmelodie von Melrose Place?
Tocotronic: Nein. Nie gesehen, geschweige denn gehört.
Tx: Ist die musikalische Analogie zwischen "Was du auch machst, mach es nicht selbst" und "Oh when the saints go marching in" tatsächlich unbeabsichtigt?
Tocotronic: Ja, das war eher unbeabsichtigt. Aber um so besser, dass es am Ende doch geklaut ist
Tx: Gab es jemals die Überlegung, nur eins der langen Lieder (Liebe, Gift) mit auf das Album zu nehmen?
Tocotronic: Nein
Tx: Wie entstand und gestaltete sich die Zusammenarbeit mit Ingrid Caven? Gab es auch Überlegungen, mit ihr ein gemeinsames Stück aufzunehmen oder sie ein Stück von euch neu-interpretieren zu lassen?
Tocotronic: Wir sind seit langem grosse Fans und so kam über fünf Ecken der Kontakt zustande. Es gab Überlegungen für eine tiefergehende Zusammenarbeit, das scheiterte aber an der Zeit und am Geld. Madame ist nicht billig. Zu Recht!
Tx: Bei der neuen Platte gab es die Singles wieder auf Vinyl. war das euer Wunsch oder entscheidet so was allein die Plattenfirma?
Tocotronic: Das wird wie alles gemeinsam je nach Möglichkeit entschieden.
Tx: Legt ihr überhaupt noch Wert darauf, dass eure Musik verstanden wird oder habt ihr euch mit Schall & Wahn fest vorgenommen, euch über euch selbst, eure Kritiker und eure Hörer lustig zu machen?
Tocotronic: Wir verstehen die Frage nicht.
Tx: Habt ihr manchmal Angst, verstanden zu werden?
Tocotronic: Wir verstehen die Frage auch nicht.
Ein paar Interpretationsfragen
Tx: Karl Marx schreibt in "Der achtzehnte Brumaire des Louis Bonaparte" den Satz: "Die Tradition aller toten Geschlechter lastet wie ein Alp auf den Gehirnen der Lebenden." In eurem Werk ruft ihr die Geister der Vergangenheit, entlehnt euch Namen, Schlachtparolen, Kostüme um dann in dieser erborgten Sprache die neue Weltgeschichtsszene aufzuführen. Denkt Ihr dass das Zitat auch eine Grundlese für eure "neue" Musik sein könnte?
Tocotronic: Keine Ahnung. Das ist uns zu hoch.
Tx: Warum ist K.O.O.K. so oft im Konjunktiv?
Tocotronic: Keine Ahnung, wirklich
Tx: Ist das Lied "17" eine "Aneignung" des Kindheitstraumes von Ismael aus dem Roman "Moby-Dick" (4.Kap. The Counterpane - Die Steppdecke)
Tocotronic: Nein, aber die Stelle passt sehr gut. Das Lied war eher inspiriert von Walter Benjamins kurzem Text "Ein Weihnachtsengel".
Tx: Habt ihr manchmal Begegnungen mit Fans, bei denen ihr unwillkürlich an Mark Chapman denken müsst?
Tocotronic: Wer ist das?
Tx: Wann kommt endlich der schon 1997 angekündigte Film über die Tocotronic-Bandgeschichte in die Kinos?
Tocotronic: Keine Ahnung
Live
Tx: Warum habt ihr bisher weder Gesang des Tyrannen noch Wir sind viele jemals live gespielt?
Tocotronic: Hat sich einfach nie ergeben. Man kann ja nicht alle Lieder live spielen, das wäre dann doch zuviel des Guten. Oder Schlechten.
Tx: Wer von euch hatte die Idee, "Die Idee ist gut, aber die Welt noch nicht bereit" wieder auf Konzerten zu spielen?" (Bitte Applaus für denjenigen)
Tocotronic: Wir machen da gemeinsame Sache, wie bei allem.
Tx: Seit mehr als 10 Jahren kommen auf Konzerten die Rufe vom Publikum: "Michael Ende!". Wie lange wollt ihr denn die Fans noch hinhalten?
Tocotronic: Für immer. Das Thema hat so'n Bart.
Tx: Wer quengelt auf Tour von Euch am meisten rum?
Tocotronic: Alle gleichzeitig gleich viel und laut. Rabääääh!
Tx: Wer legt eigentlich fest, dass immer die gleichen Städte bespielt werden (2010: viermal Hamburg, nicht einmal Schleswig-Holstein)?
Tocotronic: Wir. In bestimmten Städten gibt’s halt keine Clubs, die passend wären.
Tx: Würdet ihr auf der Bühne Röcke tragen?
Tocotronic: Keine Ahnung. Why not? Wer's tragen kann...
Tx: Warum ist bei jedem Konzert die Setlist ziemlich identisch?
Tocotronic: Weil unsere Auftritte hoffentlich eine Dramaturgie haben und diese eine ausgeklügelten inneren Logik folgt. Licht, Sound, Emotionen. In der Wiederholung liegt die Würze.
Tx: In unserem letzten Interview habt ihr euch darüber lustig gemacht, dass viele junge Bands ihr Publikum mit gespielter Euphorie zu motivieren versuchen, a la "Hier in Magdeburg ist es wunderbar, das schönste Konzert der Tour". Was ist seit dem Gespräch und den in jedem Sinne ("ihr seid zauberhaft") gespielt euphorischen Stück-Ansagen der aktuellen Tour vorgefallen?
Tocotronic: Das ist jetzt zu sehr um die Ecke gedacht. "Gespielt euphorisch" verstehen wir nicht. Das ist eine Projektion. Wir freuen uns halt, wenn ein Konzert schön ist. Damals, heute und morgen
Tx: Was hat sich in fast zwei Jahrzehnten Bandgeschichte am meisten verändert und was ist immer noch genauso wie früher?
Tocotronic: Das führt jetzt zu weit.
Tx: Warum ist aus der Sehnsucht nach Freundlichkeit und einer "besseren Welt" ein Sich-abfinden-mit und Verherrlichen-von Leid verursachenden Eigenschaften wie Feigheit, Gier und Neid geworden?
Tocotronic: Darauf kann man nicht antworten, ohne wahnsinnig zu werden.
Tx: Was ist schief gelaufen in eurer Beziehung zu Thees Uhlmann, dass ihr mehr als zehn Jahre nach dem Tourtagebuch und eurem Support für Tomte, nun mit "1000 Robota" erstmals wieder explizit eine andere deutschsprachige Indieband promotet, die ausgerechnet ein Hasslied auf den anfangs Erwähnten komponiert hat?
Tocotronic: Wir promoten nicht. Weder in die eine, noch in die andere Richtung.
Tx: Nachfrage zu 1000 Robota: Deren Musik ist ja recht annehmbar, aber wie passen ihr rüpelhaftes auftreten und eure Höflichkeit zusammen?
Tocotronic: Wer meint denn da sie und uns so gut zu kennen?
Tx: Was kommt nach der Berlin-Trilogie?
Tocotronic: Keine Ahnung
Tx: Der fm4-Auftritt von Rick und Dirk war ja sehr hübsch- wann kommt MTV Unplugged?
Tocotronic: Keine Ahnung
Tx: Wenn ihr die Band Tocotronic anhand des Vorspielen eines Songs erklären solltet, welchen aus eurer langen Karriere würdet ihr wählen? (Wäre schön, wenn ihr alle vier antworten könnt.)
Tocotronic: Eigentlich kann man fast jedes Stück nehmen. Aber vielleicht sind insbedondere Drüben auf dem Hügel, Das Unglück muĂź zurückgeschlagen werden, Luft und Die Folter endet nie besonders gut geeignet.
Tx: Wie stellt ihr euch das Ende von Tocotronic vor? Ein leiser Abgang oder mit Pauken und Trompeten?
Tocotronic: Kriechend.
Tx: Wie kommt es, dass dein Gesangsstil immer gebrochener und unkonventioneller wird? Ist das reine Absicht oder doch eher die nachlassende Stimme?
Tocotronic: Das ist reine Absicht
Dirk
Tx: Wo kaufst du immer deine schicken Oberhemden und warum passen die so gut?
Tocotronic: Ich kaufe sie in Modeboutiquen. Sie passen deshalb so gut, weil sie teuer sind. Preiswerte Hemden passen leider nicht, der Schnitt ist zu weit.
Tx: Man kann den Eindruck gewinnen, du wolltest am liebsten hinter deiner Kunst verschwinden. Ist die "Diktatur der Kunst" genannte Theorie des autonomen Kunstwerks für dich eine verlockende Vorstellung?
Tocotronic: Keinen blassen Schimmer, habe ich noch nie drüber nachgedacht. Ist glaub ich Quatsch.
Tx: Wie geht’s mit Phantom/Ghost weiter?
Tocotronic: Noch nicht ganz sicher. Abwarten...
Jan
Tx: Wie ist denn das mit der Rockoper "Der Egel vom Tegel"? Worum geht’s da? Erzähl doch mal.
Tocotronic: Der Egel ist ein Kontroll-Inspekteur am Tegeler Flughafen. Wird haben beschlossen, dass sein Leben besungen worden sein wird. In zumeist heiterer. Manchmal jedoch auch nachdenklich-besinnlicher oder empörter Weise. Ob uns dies gelungen ist mögen andere beurteilen.
Tx: Wie geht’s mit dem Bierbeben weiter?
Tocotronic: Wir sind gerade dabei eine Single aufzunehmen, diese wird bei Shitkatapult erscheinen.
Arne
Tx: Juckt es dich - nach den Konzert-Erfahrungen mit "Ich werde nie mehr alleine sein" und "Bitte gebt mir mein Verstand zurück" - nicht in den Fingern, mal wieder ein Gitarrenstück für Tocotronic zu schreiben?
Tocotronic: Sicher, das hat viel Freude gemacht. Aber es juckt ja überall. Und wie man weiĂź: Kratzen machts nur noch schlimmer!
Tx: Was wird aus DJ Shirly?
Tocotronic: Das wird die Zukunft zeigen, die bleibt unvorhersehbar.
Rick
Tx: Warum musst du eigentlich vor jedem Konzert aufbauen helfen?
Tocotronic: Muss ich nicht. Ich mach es immer um Langeweile totzuschlagen und ein bisschen mich bewegen zu können. Auf Tour und Festivals sitzt man den ganzen Tag nur rum. AuĂźerdem wenn es schnell gehen muss, helfe ich gern den anderen.
Tx: Wann kommt das lange angekündigte zweite Glacier-Album?
Tocotronic: Wann alles klappt ist das Cover und das Master im nächsten Monat fertig und muss nur noch gepresst werden. Es gibt schon einen "free mp3", bitte Mail an info@glacier-music.com , den Link bekommt ihr dann ganz schnell.
Sonstiges
Tx: Wie entsteht der Kontakt zu den Musikern, die Remixe eurer Lieder machen? Geht das nach Euren persönlichen Geschmack und Kontakten? Oder tritt da jemand von auĂźen an Euch heran?
Tocotronic: Persönlicher Geschmack und Kontakte.
Tx: Haben die Remixer völlige Freiheit in ihrem Schaffen oder grenzt ihr auch gewisse Dinge ein? Habt ihr auch mal einen Remix verworfen, weil er euch nicht gefallen hat?
Tocotronic: Im Prinzip völlige Freiheit. Höchstens, dass wir mal etwas "angeregt" haben.
Tx: Wie wird entschieden welches Stück als Single ausgekoppelt wird? Denkt ihr Euch manchmal schon beim Erarbeiten der Songs so was wie "Mensch, das könnte gut unsere neue Hitsingle werden!"?
Tocotronic: So etwas beknacktes denkt man tatsächlich manchmal, ja. Aber es klappt dann nie. Meistens bieten sich aufgrund der Länge/Themen etc der Lieder ohnehin nur 2-3 potentielle „Singles“ an. Wir denken eher in Alben.
Tx: Was ist innerhalb der Band das grösste Streitthema?
Tocotronic: Gibt es nicht.
Tx: Habt ihr manchmal das Gefühl, total überbewertet zu werden?
Tocotronic: Ja. Aber auch unterbewertet. Wechselt je nach Tagesform. Sehr bipolar.
Tx: Wer von euch ist Vegetarier?
Tocotronic: Dirk
Tx: Wo ist Waldo?
Tocotronic: ???
Wir bedanken uns für die Beantwortung
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