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Interview Teil I

Tocotronix traf Dirk von Lowtzow und Jan Müller Anfang März 2007 in Berlin zum Interview. Der Manager der Band Stephan Rath war ebenfalls anwesend. Hier der erste Teil des Interviews.

Teil 2 Arne&Rick Teil 3 Arne&Rick Teil 4

Tx: Also, wir haben das Interview in ein paar Themen gegliedert. Es geht ein bisschen um eure Einstellung zu Fans und zu der Website. Dann haben wir noch ein paar fiese Songwriting-Fragen, was zu Auftritten, eurem Musikgeschmack. Dann haben wir noch die gefürchteten Interpretationsfragen. Wenn euch da was nicht passt, dann könnt ihr das auch einsilbig beantworten.
Dirk: So Quiz-mäßig?
Tx: Ja, Publikumsjoker ist auch dabei.
Stephan: Multiple Choice!
Dirk: Weiter, darf man auch "weiter"?
Tx: Dann haben wir noch Fragen zu...
Dirk: Jetzt legt mal los!
Jan: Einfach mal anfangen.
Tx: Ja, das Wichtige ist eben, das am Ende noch Fragen zur neuen Platte kommen, nicht das ihr denkt das kommt gar nicht mehr.
Dirk: Nein, nein!
Tx: Dann fangen wir an mit Fragen zur Homepage tocotronix.de. Lest ihr das tocotronix-Forum?
Dirk: Manchmal.
Jan: Ich auch, unregelmäßig.
Tx: Seid ihr vielleicht in unserem Forum angemeldet, so geheim?
Dirk: Ich nicht. Man darf das nicht so oft lesen, das macht einen so neurotisch, wenn man es tut. Das ist so ein bisschen wie zu viel in den Spiegel gucken.
Jan: Ein Zerrspiegel!
Dirk: Ein Zerrspiegel, ja!
Tx: Guckt ihr euch denn sonst auf der Seite um?
Dirk: So sporadisch, oder?
Jan: Ja, also ich guck da schon mal, was die News betrifft und so. Aber diese Foren hab ich mir eigentlich eher abgewöhnt inzwischen.
Tx: Wir hatten ja auch einmal eine Umfrage gestellt zu der neuen Platte und da kam ja bei raus, dass "Gegen den Strich" das beliebteste Lied war. Hat das vielleicht eure Entscheidung beeinflusst, das als Single zu nehmen?
Dirk: Nee, das ist so glückliche Koinzidenz gewesen. Eigentlich war das schon vorher geplant, was man als erste, was als zweite Single macht. Das würde ich einfach als glücklichen Zufall bezeichnen.
Tx: Wir haben ja auch eine MP3-Rubrik mit Coverversionen auf der Seite. Habt ihr euch die mal angehört?
Dirk: Oh, das wusste ich gar nicht, dass es das gibt.
Jan: Ja, das hatte ich mal gemacht, aber das ist echt Jahre her. Ich weiß also auch gar nicht, inwieweit das aktualisiert wurde, aber ich hab mir mal ein paar Lieder angehört.
Tx: Da waren teilweise ja auch wirklich komische Sachen bei. Aber das habt ihr nicht so verfolgt?
Dirk: Also, ich bin so schlecht mit Computern, ich bin ja ganz froh - ich kann überhaupt erst seit zwei Jahren E-Mails schreiben [Gelächter]! Das muss man ja so dazusagen. [zu Jan] Du kannst das bestätigen!
Jan: Ja, es stimmt.
Tx: Ist Arne immer noch euer Internetbeauftragter? Das war doch mal in der Anfangszeit so.
Jan: Naja, also wir haben schon alle Computer. Soweit ist es dann doch! [Gelächter]. Aber Arne kümmert sich schon um unsere Homepage am Intensivsten.
Tx: Surft er denn immer noch mit Modem?
Jan: Nee, das is nich mehr so.
Dirk: Siehste, da wüsste ich schon gar nicht, was das ist.
Tx: Noch mal zu der MP3-Rubrik. Wie ist es denn, zu erkennen, dass ihr viele Leute zum Musikmachen gebracht habt, die sonst gar nicht zum Musikmachen gekommen wären? Oder vielleicht auch gar nicht zum Musikmachen kommen sollten. Wo man sich fragt, warum die eine Gitarre in die Hand genommen haben...
Dirk: Ich habe es nie gehört, daher kann ich es nich so beurteilen.
Jan: Also, das schmeichelt einem ja natürlich schon, wenn man sieht das sich die Leute mit der Musik die man macht auseinandersetzen. Ob man das dann immer als geglückt findet, das Ergebnis, das ist dann ja auch ziemlich egal. Das hat mich einfach beeindruckt.
Dirk: Ich glaube das is so... Wie man selber auch funktioniert hat, wenn’s bestimmte Bands gibt, die jetzt nicht so einen superhohen technischen Anspruch in den Vordergrund stellen. Wie bei uns, als wir jung waren... Da waren’s Bands aus so ner Punk-Ecke oder einer C60-BritPop-Ecke. Als man das gehört hat, hat man eben gedacht: Ahja, das ist ja gar nicht mal so schwierig zu machen, dann können wir das auch. Da ist der Einfluss dann eben extrem. Ich sag mal... wenn man dann Queen oder so was hört ist das schon etwas desillusionierender. Wo man sich so sagt: Das krieg ich ja nie im Leben hin - Und es stimmt ja auch [Gelächter]. Ich glaub wir sind ne Band, die durch ihr eigenes technisches Unvermögen andere dazu animiert, es uns gleichzutun.
Tx: Und dann stört es euch auch nicht, wenn da so Auswüchse bei rauskommen, wo die Welt hätte drauf verzichten können?
Dirk: Nein, also... Naja, man kann ja eben auf Vieles verzichten.
Fans allgemein
Tx: Was empfindet ihr, wenn ihr im Privatleben "dumm" von möglicherweise betrunkenen Fans angesprochen werdet?
Jan: Ich find Betrunkene ja immer ganz charmant so... Aber bei uns geht es glaub ich schon da los, dass wir mit dem Begriff "Fan" gewisse Probleme haben. Das ist natürlich erstmal die Frage, was das ist und ob man sich denn nicht anders mit Sachen die man gern hat auseinandersetzen kann als auf einer Fan-Ebene. Man ist ja auch selber noch manchmal Fan, aber es entsteht in solchen Situationen halt immer schnell ein Umgang, der so etwas unnatürlich ist. Mit Jemandem, der nur einen gewissen Teil der Persönlichkeit wahrnimmt, nämlich genau diesen Ausschnitt, der Tocotronic darstellt, ist es schwierig ein lockeres Gespräch zu führen.
Dirk: Dem kann ich mich anschließen.
Jan: Das geht dann meist so Ping-Pong-mäßig hin und her. Es wird einem auch schnell Arroganz unterstellt, was eigentlich überhaupt so gemeint ist, sondern häufig eher eine Art Unbeholfenheit ist. Aber es passiert jetzt nicht so oft, dass man angesprochen wird, aber wenn jetzt hier zum Beispiel einer ankommen würde: "Mann, das ist ja Wahnsinn euch hier zu treffen!" Dann kann man nur sagen: "Ja, ehm... Is Waahnsinn!". [Gelächter] Sind eigentlich immer recht ähnlich, diese Begegnungen. Wenn sich jemand vorher allerdings kräftig einen hinter die Binde gekippt hat, dann kann...
Dirk: Dann wird es allgemein als angenehm empfunden!
Jan: Das kann echt lustig werden dann.
Dirk: Wir haben so ein bisschen ein Problem mit diesem Fan/Band-Ding, weil uns das grundsätzlich irgendwie zu hierarchisch im Denken ist. Ich würde nicht sagen: "Wie empfindet ihr, wenn euch betrunkene Fans ansprechen?", sondern eher: "Wie empfindet ihr es überhaupt, wenn euch betrunkene Leute ansprechen?" Ich glaub das geht euch da ja genau so wie uns. Wenn euch jetzt jemand anlabert, so: "Hey, kauf mir ma n Bier!"... Ob das aber zusätzlich noch ein Fan ist, ist dann doch relativ egal.
Tx: Der Unterschied ist eben, dass die Voraussetzungen ganz unterschiedlich sind. Der eine hat sich mit dem anderen schon tausendmal beschäftigt, hat ein Bild von dem. Und für euch ist es so, dass da jemand ankommt, von dem ihr noch nie was gehört habt. Ist eine schwierige Ausgangssituation.
Jan: Das wird den anderen Bands, oder irgendwie in der Öffentlichkeit stehenden Personen, nicht viel anders gehen.
Tx: Wir denken schon, dass ihr da ein bisschen anders zu steht.
Jan: Ja, wir thematisieren die Problematik.
Tx: Andere Leute würden gleich die Autogrammkarte aus der Tasche ziehen, die dem Herren reichen und sagen: "Hier hast du, so."
Dirk: Ja, ich kann es nicht besser sagen als Jan das gesagt hat. Wir thematisieren die Problematik, weil wir das an sich für schwierig erachten, dieses Verhältnis Fan/Band.
Jan: Und das find ich auch so ein bisschen absurd. Ich hab ein Unbehagen bei dieser Heuchelei mitzumachen, wie man das oft sieht bei etablierteren Popstars. Aber dass einem das dann wiederum gleich als Arroganz ausgelegt wird von den Fans, das find ich schon absurd!
Dirk: Ja, das ist so. Man denkt, man will nicht so sein wie der Popstar, der gleich die Autogrammkarte zückt, versucht dann einzugehen auf die Leute als ob man ganz normal wäre, und genau das wird einem dann wieder als Arroganz ausgelegt. Aber ich glaub wir haben das einfach nicht so richtig drauf [Gelächter].
Tx: Wobei Normalität doch aber auch heißen kann: "Ich hab jetzt gar keinen Bock auf dich, ich möchte jetzt meine Ruhe haben."
Dirk: Ja, ganz genau. Weil man manchmal eben auch einfach was zu tun hat. Gerade in so einem Festival-Umfeld eben. Da muss alles unglaublich schnell gehen. Man muss in einer halben Stunde auf die Bühne, davor muss man noch mal schnell aufs Klo, dann muss man noch mal sein Hemd wechseln. Es sind wirklich real existierende, banale Dinge. [Gelächter]
Tx: Noch mal eine Frage zu den Fans. Hat sich das Verhältnis zu den Fans in den letzten 12 Jahren grundlegend geändert?
Dirk: Also ich persönlich finde es viel entspannter, hab ich so das Gefühl. Als wir angefangen haben, waren wir eine reine Underground-Band, kann man so sagen. Wir haben erste Touren gemacht, da waren dann nicht so wahnsinnig viele Leute. Mal 30, mal 300, aber es war immer in so einem Rahmen. Wir haben dann ja ziemlich schnell ziemlich viele Platten gemacht und uns selber sabotiert dadurch. Es wurden dann immer mehr Leute. Da war es anfangs dann wirklich schwierig für uns, damit umzugehen, dass immer mehr Leute etwas auf uns projizieren und uns als ihre Freunde betrachten, die wir aber gar nicht sein können. Ich glaub das war mit der Zeit einfach auch ein Lernprozess, dass man lernt damit besser umzugehen. Seit 3, 4 Jahren find ich das sehr entspannt. Es gab auch Zeiten, da haben wir uns versteckt und es wurde uns alles ein bisschen zu viel. Aber seit 3, 4 Jahren machen wir das auch oft so, dass wir zum T-Shirt-Stand gehen, Autogramme schreiben, mit den Leuten reden, es ist einfach lockerer. Es ist auch schön, mit diesen Leuten dann mal in Kontakt zu kommen. Ich hab auch das Gefühl, das Verhältnis hat sich von der Fan-Seite ein bisschen entspannt, es ist weniger hysterisch. Da kommen dann Leute an, sagen: "Hey, hallo, war schön heut Abend" oder so.
Tx: Glaubst du es hat was mit deinen neuen Texten zu tun, dass es jetzt nicht mehr so direkt ist? Oder sind die Texte vielleicht auch deswegen so geworden, dass dieses direkte 1:1 nicht mehr da ist?
Dirk: Kann sein, aber das würde mir jetzt glaub ich zu weit gehen.
Tx: Also würdest du nicht sagen, dass es bewusst war, aber es könnte dadurch gekommen sein?
Dirk: Kann sein. Das kann aber auch durch ne gewisse Altersgelassenheit kommen oder so. Oder Leute die dann ankommen und mit einem reden waren schon auf 10 Konzerten und sind dann auch so: "Joa hallo, war mal wieder ganz schön heut Abend."
Tx: Oder die Leute trinken mehr Bier und sind dann entspannter.
Dirk : Das kann auch sein, ja [Gelächter].
Tx: Zur nächsten Frage.. Obwohl eure Musik weniger direkt und dafür leiser und subtiler geworden ist, sind eure Fans jung geblieben. Wie könnt ihr euch das erklären?
Jan: Natürlich sind da auch junge Leute mit dabei und es ist auch schön zu sehen, dass da Generationen nachwachsen, wir haben die Erfahrung gemacht, dass es bei uns über Generationen greift. Das ist so unsere Beobachtung. Die älteren Leute sind dann bei Konzerten eher weiter hinten. Das ist normal. Aber dass da Leute nachwachsen ist eine beglückende Sache, das macht uns stolz, dass man so eine Gruppe ist, bei der die Zeit nicht stehen bleibt.
Dirk: Ja, das ist echt super, bei Konzerten auch. Das ist so ein bisschen eine generationenübergreifende Veranstaltung.
Tx: Wir finden das aber schon in gewisser Weise verwunderlich. Es gibt viele Beispiele, wo die Band älter geworden ist und die Zuhörer sind mit der Band eben auch älter geworden, aber darunter passierte dann nicht mehr so viel. Bei euch ist das eben anders. Und das obwohl man euch ja gerne unterstellt, dass ihr jetzt erwachsenere Musik macht als in den Anfangszeiten. Und trotzdem sprecht ihr damit junge Leute an. Wie erklärt ihr euch das?
Dirk: Ich hab ja ein Problem mit dem Wort "erwachsen" oder nicht "nicht erwachsen". Ich hab neulich ein Interview mit Karl Lagerfeld gesehen, das fand ich sehr interessant. Der meinte, dass das der letzte Zug des Faschismus wäre, diese Eingrenzung in jung und alt. Und das stimmt. Ich kenn so viele Leute, die noch mal 20 Jahre älter sind als ich und dann so verrückt sind. Die sind jünger als manch 15-Jähriger. Es klingt banal, aber es ist irgendwie so. Und auf eine gewisse Weise sind die Texte der letzten Platte pubertär, wie man es sich gar nicht pubertärer vorstellen kann. Weil die so ein Begehren nach einer bestimmten Art von Lyrik widerspiegelt, wie ich es mit 16 oder 17 empfunden hab, als ich das erste Mal Baudelaire-Gedichte "Wow, ist das geil, wie morbide das ist!" Insofern sind die Texte der letzten Platte viel pubertärer als zum Beispiel von der Ersten, die schon sehr sehr erwachsen und abgeklärt, fast zynisch sind, in der Weltsicht. So Thomas Bernhard-artig. Ich hab einfach ein Problem mit diesem alt/jung und erwachsen/nicht erwachsen. Aber dass viele junge Leute auf die Konzerte kommen find ich genial, weil es ja schrecklich wäre, wenn das so eine Oldie-Veranstaltung wäre [Gelächter].
Songwriting
Tx: Das ist eigentlich eine gute Überleitung zum Songwriting-Prozess, der uns natürlich sehr interessiert; einfach mal zu wissen, wie es bei Tocotronic hinter den Kulissen abläuft. Wie schreibt ihr eigentlich eure Musik? Ist es so, dass du, Dirk erstmal mit den Texten ankommst und dann dazu gemeinsam eine Melodie gefunden wird?
Jan: Nein, das ist ein bisschen anders. Also eigentlich kommt Dirk ... meistens faxt Dirk uns erstmal die Texte zu. Er ist ja Fan von der nervigen Technologie des Faxens. [Gelächter] Aber da müssen wir dann halt durch als Band. Und dann wird auch erstmal inhaltlich sich mit dem Text auseinandergesetzt und parallel dazu das Grundgerüst aus Musik ist auch von Dirk dann schon geschrieben und wir arrangieren das dann ganz klassisch im Proberaum. Und das ist erstmal schon anstrengend genug, dauert auch eine Zeit. Bei der aktuellen und bei der letzten Platte war’s dann konkret so, dass dann irgendwann unser Produzent Moses dazu kam, Moses Schneider, der dann auch bei Unklarheiten uns bei den Arrangements noch ein bisschen unterstützt und dann nehmen wir’s auf, mischen es ab, gehen auf Tour. Aber der Song entsteht eigentlich bei Dirk zu Hause.
Dirk: Ich sitz da so mit Akustikgitarre. Oft nachts habe ich so eine zündende Idee. Die muss dann erstmal an Jan gefaxt werden. [Gelächter]
Tx: Uns ist aufgefallen, dass der Song "Mystery Symphony" so ein bisschen danach klingt, als wäre er in einer Jamsession entstanden. Gibt es so etwas bei euch überhaupt, dass ihr sagt: Jetzt jammen wir mal?
Jan: Eher selten, aber da geschah das dann mal.
Dirk: Stimmt.
Jan: Aber eigentlich ist das nicht unsere Arbeitsweise.
Dirk: Der ist ein bisschen zusammen geschnitten aus einer ganz, ganz langen Jamsession. Es war so die Idee, so eine Art "Stooges"-Instrumental zu machen. Es gibt ja diese ganz langen "Stooges"-Stücke, die so ewig gleich gehen und so wabern. Und es gibt auch so einen Ansatz von "Spacement 3"; eine Band, die hatten auch so ein Stück "Ecstasy Symphony", wo sie nur einen Ton von einem Keyboard mit Klebeband festgeklebt haben und sie nur so Effekte hatten. Man kann sich so eine Musik sehr lange anhören. Das ist so wie Ambient. Das war halt so eine Jamsession.
Tx: Wie lange diskutiert ihr über einen Song, bevor ihr entscheidet, ob ihr den nehmt?
Jan: Also ich sag mal, der theoretische Teil der ganzen Geschichte ist schon immer noch − und auch bei uns ganz klassisch − der Teil, der uns viel mehr interessiert als der handwerkliche Aspekt beim Musikmachen. Das reine "Abgemucke", das ist ja doch was, von dem kommt man nicht so und das ist natürlich schon auch beglückend mittlerweile, wenn man auch fähiger wird in seinen Instrumenten. Und da wird schon sehr viel geredet und auch drüber diskutiert, weil es ist ja auch klar, dass die Texte bei uns schon wesentlichen Anteil ausmachen. Und es ist auch schon so, dass während des Entstehungsprozesses dann auch noch mal überdacht wird, dass auch Textteile noch mal geändert werden von Dirk in Absprache mit uns auch mitunter oder manchmal gefällt ihm allein auch etwas nicht mehr. Aber das Sprechen über die ganze Sache und das Ausdiskutieren ist schon etwas, was für uns ein großer Anteil des Spaßes am Musikmachen ist.
Tx: Steht ihr alle Vier gleichermaßen hinter den Alben und auch hinter dem neuen Album?
Jan: Wir stehen alle Vier total dahinter, aber − ich kann’s jetzt nur für mich sagen − aber natürlich ist klar, dass da mehr von Dirks Persönlichkeit drin ist als jetzt zum Beispiel von meiner, weil ... ist ja logisch, weil ich die Texte nicht geschrieben habe, höchstens irgendwie mitbestimmt, aber geschrieben sind sie von Dirk. Aber das ist, finde ich, auch ein bisschen das Kunststück von einer Band auch diesen Eiertanz hinzubekommen, dass man, obwohl einer die Texte schreibt, das gemeinsam tragen kann.
Dirk: Andererseits ist es auch oft so, dass wenn man die Texte schreibt, im Bewusstsein für die Band zu schreiben und man die Anderen so mit bedenkt.
Jan: Das graut einem doch.
Dirk: Jaha, ich würde einfach bestimmte Sachen, die ich Solo machen würde oder für "Phantom/Ghost" oder irgendwas, die würde ich für die Band gar nicht, weil ich weiß, dass in gewisser Hinsicht ist es auch, so doof das klingt, so ein bisschen eine Auftragsarbeit. [Gelächter] Finde ich aber auch gut.
Tx: Gibt es so eine Art Bandkonsens, den ihr anstrebt bevor entschieden wird, ob ein Song auf eine Platte kommt? Muss erstmal jeder dazu nicken oder gibt es auch Songs, wo einer von euch sagt: Gefällt mir nicht, aber macht ruhig, wenn ihr meint.
Jan: Das Konsensprinzip ist schon wichtig für uns bei musikalischen Entscheidungen. Das wäre ja blöd, wenn jemand etwas tun müsste, was ihm nicht gefällt. Natürlich gibt es immer Stücke, die jetzt jeweils gerade das Lieblingsstück des Einen oder des Anderen sind, aber grundsätzlich muss das schon jedem von uns gefallen.
Tx: Welches Verhältnis nehmen Gefühl und Ratio auf euren Platten ein und hat sich dieses Verhältnis mit der Zeit verändert?
Dirk: [scherzhaft] Jetzt geht’s ins Akademische. [lange Pause] Ich weiß es nicht. Also ... das kannste echt nicht sagen.
Jan: Das ist eine Frage, bei der es uns eigentlich gar nicht zusteht, das zu beantworten, denke ich mal. Wenn man sich dessen so bewusst wäre, dann wäre das alles ein bisschen langweilig meiner Meinung nach.
Tx: Es wirkt einfach so, dass ein Song wie "Freiburg" einfach mehr so wie "Das kommt jetzt aus mir raus" im Gegensatz zu "Gegen den Strich", wo "ich jetzt eher das und das ausdrücken möchte."
Jan: Das ist das große Missverständnis.
Dirk: Das ist glaub ich eher ein Trugschluss. Ich glaube, diese frühen Texte waren wesentlich konstruierter, wenn du das mit Ratio meinst, als die späteren. Weil es wirklich auch aus einem ganz offensiven Fantum auch entstanden ist, gerade so ein Stück wie "Freiburg" früher. Vor allem für Schriftsteller wie Thomas Bernhard, wo es nur eine Idee war, wie man so etwas ein bisschen in Musik übersetzen kann. Und auch gerade in unserer Gründungsphase haben wir uns dann so viel gesehen, fast jeden Tag, und haben uns dann so Konzepte ausgedacht, was könnte man machen. Konzeptkunst ist jetzt ein blödes Wort, aber es ging schon ein bisschen auf einer dilettantischen Ebene in so eine Richtung. Insofern ist es ein bisschen ein Missverständnis. Es gab bei diesen frühen Texten einfach auch den Wunsch, dass es so wirkt als wäre es gerade mal schnell... die neuen Texte funktionieren genau so schnell und unmittelbar. Es hat sich eher ein bisschen das Begehren geändert, dessen was man sagen will.
Tx: Hat sich an der Herangehensweise viel verändert? Von der Arbeit im Studio vermutlich schon, wenn man hört, dass "Digital ist besser" in drei Tagen fertig war, während "Tocotronic" anderthalb Jahre dauerte.
Dirk: Jetzt sind wir wieder bei acht Tagen.
Tx: Und bei der Herangehensweise an die Songs ist es gleich geblieben?
Dirk: Total. [Zu Jan:] Du kannst es glaub ich besser beurteilen als ich.
Jan: Ich würde auch sagen, dass es sehr ähnlich geblieben ist. Ich meine, man hat natürlich mit 23 Jahren oder wann wir da angefangen haben, da hat jetzt Dirk auch einfach einen anderen Kenntnisstand über Vieles. Ist ja ganz natürlich mit Mitte 30. Das ist vielleicht eine andere Grundlage, aber das ändert ja nichts daran, dass die Arbeitsweise ähnlich ist.
Dirk: Also es geht immer noch genau so schnell, genau so langsam. Es gab auch damals viele Stücke, an denen wir ewig rumgefeilt haben. Das ist auch ein bisschen das, was Jan gesagt hat. Bei uns spielt dieses Theoretische immer eine ziemlich große Rolle. Es ist sehr schwer festzumachen, wann ein Song geschrieben ist. Ich glaube, bei uns ist es nicht damit getan, dass der Song mal schnell aufgeschrieben wurde und die Akkorde dazu gemacht wurden. Es ist mehr ein Denkprozess, der alle mit involviert. Das war damals genau so wie heute.
Jan: Weil bei Rockmusik ist ja auch meines Erachtens sehr stark über Sound definiert und nicht über A-Moll, D-Moll. Deshalb ist man ja verstört. Wenn irgendwelche Leute "Freiburg" am Lagerfeuer klimpern, ist das natürlich ein anderes Lied als wenn man es elektrisch aufführt. Das ist ja das Geheimnis von Rockmusik, dass eine Band einen Sound hat und daran auch viel arbeitet und ein Konzept erstellt und nicht nur Akkorde aneinanderreiht und Worte.
Dirk: Und wie man das dann produziert und auf Band bringt, ist denn halt immer nur das Endprodukt von einem langen Weg. Wir haben glaub ich an der ersten Platte genau so lange gearbeitet wie an dem weißen Album oder so, nur da gingen eben sehr viele Überlegungen vorweg. Bei dem weißen Album zum Beispiel waren wir wahnsinnig daran interessiert, die Möglichkeiten, die ein langer Studioaufenthalt bietet, total auszuschöpfen. Das war so unser Wunsch, so einen Sound mal zu schaffen. Bei der "Pure Vernunft"-Platte haben wir genau den gegenteiligen Weg genommen und alles in fünf Tagen aufgenommen. Zack, zack.
Tx: Die früheren Stücke wurden viel von amerikanischer Musik geprägt. Welche Musik inspiriert euch heute?
Jan: Heute ist schwierig zu sagen, finde ich. Man kann jetzt schön im Rückblick sagen: Bei der "Digital ist besser" fällt einem ja viel ein, "Dinosaur Jr.". Und zwei Platten später vielleicht "Pavement" und dann beim weißen Album war es viel elektronische Musik. Wir waren interessiert vom an sich Song ein bisschen weg zu kommen.
Tx: Ja dann doch einfach konkret. Welche war es zu "Pure Vernunft"-Zeiten und welche zu jetzigen Platte?
Jan: Ja das ist halt ein bisschen ... das liegt zu dicht dran, um das wirklich zu wissen, was einen da beeinflusst hat. Zumindest geht mir das so. [Zu Dirk:] Ich weiß ja nicht, wie du das siehst.
Dirk: Also ich...
Jan: [unterbricht Dirk] Es ist halt auch nicht immer nur Musik. Das ist vielleicht auch mal ganz wichtig. Vielleicht ist ein Film, den man gerade gesehen hat oder ein Buch, welches man gerade gelesen hat ein viel größerer Input. Also jetzt nicht nur auf den Text, sondern auch für die musikalische Seite, dessen was man tut. Es ist, glaube ich eine Fehleinschätzung, dass man immer eins zu eins was hört und dann sagt: Oh, das ist ja toll. Das möchte man auch machen. Das wäre eigentlich ein bisschen langweilig meiner Meinung nach. Warum soll man was kopieren, was schon da ist? Die Einflüsse sind oft sehr unterbewusst und mit einem gewissen zeitlichen Abstand wird einem das vielleicht klarer, aber ... jetzt wüsste ich darauf nicht viel zu sagen.
Dirk: Grundsätzlich kann man vielleicht sagen, es ist so ganz glücklich, man ist so über die letzten Jahre etwas weniger beeinflussbar geworden als am Anfang. Man ist einfach nicht mehr so sehr Fan von bestimmten Sachen, die man jetzt unbedingt kopieren will, sondern man hat da selber auch so eine Unsicherheit bestimmten Musiken gegenüber, dass man nicht weiß, ob das ... Das schafft aber unseres Erachtens mehr Eigenständigkeit.
Tx: Zum Teil habt ihr es schon beantwortet, aber Musiktheorie und Akkorde und so beeinflussen euch nicht so sehr beim Musikmachen? Sucht ihr euch eine bestimmte Tonart oder einen Rhythmus bewusst aus?
Dirk: Da müsste man jetzt einen Musiktheoretiker am Tisch haben. Der kann dir das bestimmt irgendwie analysieren und sagen, wenn man die "Pure Vernunft"-Platte nimmt, da gibt es eine vorherrschende Tonart oder das ist ganz evident, dass ein bestimmter Rhythmus-Pattern immer wieder kehrt, aber wir machen uns da eigentlich nicht so viele Gedanken. Vielleicht unbewusst oder so. Ich finde schon, ein gewisses Handwerk nicht uninteressant, also ein bestimmtes Wissen über Dinge, aber wir waren ja nie Musiker in dem Sinne, dass wir gesagt haben, wenn man einen bestimmten Effekt erzielen will, müsste man das und das machen. Das passiert dann eher unterbewusst.
Jan: Wobei natürlich schon Wissen darüber entsteht in den Jahren. Das ist dann doch nicht zu vermeiden.
Dirk: Ja.
Tx: Wie stark hat sich euer Handwerk denn verbessert in den letzten Jahren?
Dirk: Na ich glaube, wir sind grundsätzlich eine Band, die sehr, sehr gut spielt. Das ist so ein bisschen ein Trugschluss, dass wir handwerklich so einen Mangel haben, weil’s uns einfach nicht so interessiert, bestimmte Sachen. Es gibt einfach ganz viele Sachen, die könnte Jan nie spielen, die könnte ich nie spielen. Ich könnte nie, wenn du mir jetzt sagst, spiel mal den Gitarrenlauf des Stückes ... was weiß ich ... "Angel of Death" von "Slayer" nach, müsst ich leider passen.
Jan: Aber das Zusammenspiel in der Gruppe ist vielleicht auch verwandt mit dem, was ich vorhin über den Sound meinte. Das ist glaube ich schon wichtig. Wie Dirk sagt, da sind wir glaube ich über die Jahre sehr, sehr dicht zusammengerückt.
Tx: War es euch schon bewusst, wer welches Musikinstrument spielt oder hat sich das eher zufällig ergeben?
Jan: Das wird wahrscheinlich immer ähnlich sein, wenn sich Bands gründen. Zufall ... oder auch Bestimmung vielleicht.
Tx: Jan, bei dir merkt man eigentlich, bei dem was auf den Platten zu hören ist, die stärkste Weiterentwicklung von der Fähigkeit am Instrument. Hat sich auch was an der Art und Weise irgendetwas verändert, wie du deine Bassläufe beisteuerst?
Jan: Ich glaub schon. Ich hab früher einfach immer den Grundton gespielt [Gelächter] und jetzt überlege ich mir das vorher schon zu Hause.
Tx: Aber "Es ist einfach Rockmusik" hatte ja auch schon einen Basslauf.
Jan: Ja okay. Ist jetzt ein bisschen verallgemeinert, aber grundsätzlich verwende ich da schon mehr Zeit drauf. Es macht Spaß. Aber ich würde sagen, dass das auch für alle von uns gilt. Auch für Arne. Natürlich hat das auch immer eine Koketterie, denn es ist halt ein sehr handwerklicher Aspekt. Natürliches macht es schon auch Spaß, sonst würde man diese Art von Tätigkeit auch nicht über eine solange Zeit ausüben, wenn einem das überhaupt nicht liegen würde.
Dirk: Wir versuchen halt so wenig Mucker wie möglich zu sein, aber so viel aufeinander zu achten. Das ist meines Erachtens das, was eine gute Band immer ausgemacht hat, dass da drei, vier oder je nachdem wie viele Leute da sind, miteinander spielen und da entsteht so eine Art Magie.
Jan: Interessant zum Beispiel an meinem Instrument, dass ich schon sehr stark darauf achte, was ist interessant, ohne sich zu sehr in den Vordergrund zu spielen und ohne die Aussage des Stückes zu gefährden. Das ist schon eine interessante Aufgabe.
Tx: Eine letzte Frage noch zum Songwriting. Früher hatte man gedacht, dass ihr von den Texten her aus zwischenmenschlichen Erfahrungen eure Inspiration bezieht, heute ist das schwer zu erkennen, woher es kommt. Woher kommt es jetzt?
Dirk: Ich glaube, das schöpft immer aus dem selbem Reservoir. Es gibt damals wie heute dieselben Inspirationsquellen. Es ist eben, so wie Jan auch meinte, dass ein sehr großer Einfluss aus Filmen, Literatur, anderer Musik natürlich und Kunst kommt. Das war damals so wie heute. Dieser Eindruck, dass das aus zwischenmenschlichen Erfahrungen entstanden ist, ist glaube ich so ein bisschen falsch, weil es war damals auch eine Kunstform, die man gesucht hat und gesagt hat, so muss das dann aber sein, wenn man so ein Lied schreibt über den Inhalt. Ich kann das schlecht ausdrücken... also wir schreiben ja heute wie damals immer noch Liebeslieder oder so, auch auf der letzten Platte gibt’s das ganz massiv und jetzt auf der neuen auch.
Tx: Also meinst du, der Unterschied zwischen "Angel" und "Nebeneinander auf dem Teppichboden" ist gar nicht so groß?
Dirk: Überhaupt nicht. Ist ganz gut gesagt. Genau, ist genau dasselbe. Nur der Einfluss oder das, was man sagen will hat sich einfach ein bisschen verändert. Und natürlich auch bewusst, weil man einfach gemerkt hat, diese Art von Unmittelbarkeit, die so ein Stück wie "Wie wir beide nebeneinander auf dem Teppichboden sitzen" ist unglaublich korrumpiert worden. Als wir das gemacht haben, war das total verrückt, so etwas Banales zu sagen. Das war dann so banal, dass es schon wieder verrückt war und das hat es auch zu so einer Art Kunst gemacht. Dann wurde das aber so extrem korrumpiert, auch von so einer Art zu schreiben in der Presse oder Popliteratur, in so einer Art von Unmittelbarkeit, die man jetzt nicht bis an sein Lebensende wiederholen muss, weil’s auch ein Trick ist. Weil man einfach gemerkt hat, wenn man ein Lied schreibt und es heißt "Wie ich am Samstag Nachmittag Apfelschorle trinkend im Café saß", dann wird es immer Leute geben, die sich damit identifizieren können, einfach weil es Menschen machen. Als wir das aber gemacht haben, hatten wir noch eine gewisse Unschuld, weil es noch niemand vorher so gemacht hatte. In dem Moment aber, wo man merkt, aha das funktioniert, das stimmt, Leute erkennen sich darin wieder, hatte ich so das Gefühl, darf man das nicht mehr machen, weil es dann zynisch wird, weil man dann halt anfängt zu denken, was könnte ich denn jetzt noch sagen. "Wie ich einmal dringend aufs Klo musste im ICE" [Gelächter] Stimmt auch, aber muss man darüber gleich ein Lied schreiben? Ich weiß es nicht. Und damals war es halt gut, das zu tun.
Tx: Okay... das wird vielleicht nachher noch mal vertieft, wenn wir zu den Interpretationsfragen kommen.
Live-Auftritte
Tx: Ein paar Sachen interessieren uns bezüglich eurer Live-Auftritte. Zum Beispiel, ob du, Dirk vor den Auftritten manchmal "Ipalat" oder "Isla Moss" lutscht, damit deine Stimme geschmeidiger wird?
Dirk: [lachend] Das mache ich manchmal, ja.
Tx: Im Ernst jetzt?
Dirk: Ja, klar. Auf Tour ist man immer heiser, da kann man gar nicht anders. Ingwer hat sich auch sehr bewährt.
Tx: Kamillentee?
Dirk: Ja, auch.
Jan: Die ganze Palette.
Dirk: Ja, ganze Paletten, klar. Aber das ist so ein Sängerding. Ich glaube, das zieht sich von Punkrock bis zu Opernsängern durch. Irgendwann nutzt sich die Stimme ab und dann muss man ein bisschen was dagegen machen. Es hilft aber alles nichts [Gelächter]. Ist dann so ein Gefühl, ne. Wieso? Bin ich oft auf der Bühne und lutsch da Bonbons?
Tx: Nein, die Frage ist an uns herangestellt worden. Wir konnten damit erst gar nichts anfangen. Aber du kannst es weiter empfehlen?
Dirk: Ja!
Tx: ...Vielleicht an die Sänger der Coverbands in unserer Mp3-Rubrik. Was war bisher euer schönstes Konzert als Band?
Jan: Solche Fragen sind ja immer ganz schwierig.
Dirk: Unser schönstes Konzert ... Da gab’s einfach sehr, sehr viele schöne. Ich persönlich find jetzt gerade die letzten drei Touren, die wir gemacht haben, da gab’s sehr wenige Ausfälle und es hat immer total Spaß gemacht.
Tx: Also es gab kein Erlebnis, wo ihr zum Beispiel sagt, Novosibirsk hat uns gekickt oder Barcelona oder Roskilde oder irgendwie so etwas?
Dirk: Ja, in Novosibirsk war es sehr schön.
Jan: In Novosibirsk war es tatsächlich sehr schön, weil da ja nur Publikum war, was uns vorher gar nicht kannte, aber trotzdem gleich vom ersten Takt an getanzt wurde. Das war schon sehr beglückend.
Tx: Also ist auch die Reaktion von Menschen, die die Texte nicht verstehen durchaus positiv?
Jan: Ja, das war natürlich etwas, was uns alle sehr erfreut hat, dass Leute, die eine ganz andere Sprache sprechen, so auf die Musik reagieren.
Dirk: Wobei man sich auch durchaus vorstellen kann, dass das bei jeder anderen Band auch so ist. [lacht]
Jan: Das ist ja auch wurscht. Ist ja nicht nur die Eitelkeit als Band, sondern wie beim Konzert auf einen reagiert wird. Es ist glaube ich schon grundsätzlich so, dass es da in Novosibirsk eine Sensation ist, wenn da eine Band auftritt, aber ich fand es sehr, sehr schön. ... Hier auf dem Alexanderplatz war auch ein schönes Konzert.
Dirk: Ja, das war ein sehr schönes Konzert.
Tx: War auch eine sehr schöne Kulisse.
Dirk: Es war so wahnsinnig beschissenes Wetter und ich wohne ja sogar um die Ecke und dann bin ich mit der Straßenbahn zum eigenen Konzert gefahren oder mit dem Bus sogar [Gelächter] Das war schon sehr absurd, weil ich mir gedacht hab: Ach, warum ein Taxi nehmen? Der Bus hält doch direkt da. Das war schon recht erstaunlich und dann war das so voll bei diesem Kackwetter und alles drum herum war auch so schrecklich. Wir hatten nicht mal ein Klo hinter Bühne und mussten extra zu "Nordsee" gehen [Gelächter] Also das macht dann irgendwie im Rückblick viel Spaß. Das war super. Der Anlass war auch gut. Und auch die ganze letzte Tour hat wahnsinnig viel Spaß gemacht.
Jan: Um vielleicht noch mal auf die Eingangsfrage mit den Fans im Verhältnis zu Tocotronic zurückzukommen, wenn man das so liest, ist das schon etwas, was einen sehr wundert, weil man denkt, dass sich das ganze für einen selber so wahnsinnig entspannt hat und mit was für Unterstellungen das Medium Internet doch arbeitet, dass man da sein Publikum verachten würde. Das ist auch eine Sache, die mich tatsächlich ärgert, weil da irgend so ein anonymer Knirps vor seinem Computer sitzt und unterstellt einem da Sachen, ohne einen zu kennen und das find ich auch echt ein Problem des Mediums. Das ist für uns auch wichtig da mal direkt in Kontakt zu treten. Ist schon klar, dass ihr das nicht seid, aber schon was da einige Leute posten ... was die sich anmaßen über einen wissen zu wollen und was in unseren Köpfen vor sich geht. Das ist auch so ein bisschen diesem Medium immanent.
Dirk: Ich denk auch, da hat sich einfach sehr viel verschoben. Wir sind ja mit Bands aufgewachsen, die bei einem Konzert nie etwas gesagt hätten. Das wäre einfach das uncoolste der Welt gewesen.
Jan: Wenn man sich die "Wipers" anschaut oder "Dinosaur" ...
Dirk: "Jesus and Mary Chain", "Dinosaur Jr.". Wenn die mal ein "Hello" gesagt haben, war das schon so "Oh! Der ist heute gut drauf". Und heutzutage ist das schon so, wenn ich mir junge Bands angucke, dann wird schon vor dem ersten Stück so [gespielt euphorisch:] "Ja super, dass ihr alle hier seid! Wir können heute alle zusammen, hier in Magdeburg ... und das ist ja auch das schönste Konzert unserer Tour."
Jan: [ebenso] "Wo sind eure Hände?!" Also diese Form des Entertainments ...
Dirk: ... die verabscheuen wir total.
Jan: Ach gar nicht mal unbedingt verabscheuen. Ich glaube es gibt auch Bands, die das gut können, aber wir können es vor allen Dingen nicht.
Dirk: Ja, wir können es nicht.
Jan: Und wir haben auch kein Interesse es zu erlernen, nur weil es irgendwie so ein Format ist. Und dass das dann wiederum arrogant ist, das gebe ich zu.
Dirk: Ja, weil wir gehen halt total auf in der Musik und in dem Sound und in der Magie, die da vielleicht im besten Falle entsteht. Man konzentriert sich da auch ziemlich. Die Sachen sind auch nicht sooo einfach zu spielen, wie man vielleicht glaubt. Wir können diese Art von Animation, das ist vielleicht noch ein besseres Wort als Entertainment, weil Entertainment ... das kann Robbie Williams und das ist auch super, aber das können wir halt leider nicht, oder nur auf eine sehr subtile Art und Weise. Aber diese Animation und jedes Mal den Leuten das Gefühl geben, wir sind die allerbesten Freunde von euch, das finden wir doof.
Jan: Weil’s gelogen wäre und einfach nicht stimmt.
Dirk: Und wenn da mehr als fünf Leute sind, dann kann man sie vielleicht noch mit Handschlag begrüßen [lacht]. Insofern fanden wir eigentlich in den letzten drei, vier Jahren fast jedes Konzert gut.
Jan: Es ist ja immer auch ganz lustig, dass die Meinungen immer so auseinander gehen. Man muss sich selber ja auch gut hören und meistens ist es so, dass einer von uns sich total schlecht hört und es bei den anderen dafür super läuft.
Dirk: Das darf man auch nicht verwechseln. Die Bühnensituation ist eine andere als die im Publikum. Im Publikum ist es Gott sei Dank, dank unseres Live-Mixers immer oder hoffentlich immer gleich, weil der es einfach gut kann. Auf der Bühne hingegen irritiert es sehr. Es gibt einfach Clubs, wo man spielt, da klingt es total beschissen.
Tx: Gibt es eine Band, die ihr als Vorgruppe bevorzugen würdet oder schon immer mal haben wolltet?
Dirk: "Sonic Youth". [Gelächter] Wir hatten ja immer das Glück, uns die Vorgruppen aussuchen zu können, weil’s in den allermeisten Fällen Freunde von uns waren, "Fuck", "Chokebore", "And the Lefthanded".
Jan: Aber es war auch immer eine sehr schwierige Entscheidung und wir sind auch jetzt dabei, darüber nachzudenken, weil es muss ja auch irgendwie passen. Man hat da ja kein pädagogisches Ziel mit der Vorband. Die Musik muss uns halt gefallen und es muss passen. Das gilt auch für die ganze Reisegruppe, die uns auf den Touren all die Jahre begleitet. Alle Leute, die da mitfahren, wie Merchandiser, Mischer. Es sind schon eine ganze Menge Leute geworden. Tourmanagerin und so. Und das ist uns eigentlich schon sehr wichtig, dass es eine Gruppe von Freunden ist und dass das mehr ist als nur ein Arbeitsverhältnis.
Tx: Ist euch das vielleicht sogar wichtiger als die Musik der Band?
Dirk: Och, nee ...
Jan: Es muss am besten beides stimmen.
Dirk: Wir sind dann meistens Fans der Band auch. Bei der letzten Tour, "La Grande Illusion" fanden wir eine super Band, weil wir so dachten, die muss man mal featuren. Waren aber auch gleichzeitig Freunde an sich so.
Tx: Zu diesem Auftritt bei "Top of the Pops", der ja schon eine Weile her ist...
Dirk: [freudig] Ja!
Tx: Habt hier die Bühnengestaltung mitgestaltet?
Dirk: Ja ja.
Tx: Kannst du den Hintergrund dazu mal genauer erläutern?
Dirk: Ich weiß gar nicht mehr, wie war denn das? Wir hatten da diese Anfrage ... also es geht immer ziemlich spontan.
Stephan: Es war glaube ich fünf Tage bevor das losging, da kam die Anfrage und wir mussten das ganz schnell entscheiden und dann haben wir uns überlegt, wie könnten wir das irgendwie für alle Beteiligten toll durchziehen.
Dirk: Weil das halt natürlich eine totale Trashsendung ist. Man muss sich vorstellen, das wird in Köln-Mühlheim oder so aufgezeichnet in irgend so einer Fabrikhalle und ist jetzt nicht so das mondänste Ding. Da sind so ein paar Leute, die werden dahin gekarrt, die stehen denn da und dann rennen die ganze Zeit da irgendwelche Regieassistenten rum und sagen "Jetzt jubeln!". Das ist einfach reine Fernseh... Dann haben wir gesagt, naja wenn wir da spielen, wir fanden es einerseits schrecklich, aber andererseits auch ganz reizvoll, weil für uns immer ganz gut ist, wenn man so etwas macht, das immer zu subversieren. Dann haben wir das mit dem Instrumententausch gemacht, um es einfach offensichtlich zu machen, dass es reines Playback ist. [Gelächter] Und irgendwie haben wir dann noch die Idee gehabt, wir müssten da noch ganz viele Blumen auf die Bühne stellen. Wir haben gesagt "Ja besorg mal für dreihundert Euro Blumen" und die machen das dann auch.
Tx: Hatte das mit diesen Fernsehern einen speziellen Hintergrund?
Dirk: Nee, das ist da einfach die Bühnendeko.
Tx: Ach so, das war von denen.
Dirk: Ja.
Tx: Weil ein bekannter Musikwissenschaftler hat mir mal erzählt, dass es mal so eine Theaterinszenierung mit Fernsehern gab, die am Ende irgendwas gezeigt oder nicht gezeigt haben. Wobei ihr ja oft so Anleihen macht, die man als normaler Mensch erstmal oft gar nicht durchblickt.
Dirk: Nee, da war jetzt ausnahmsweise mal kein Hintergedanke. Aber Fernseher spielen bei modernen Theaterinszenierungen oft eine Rolle. [Gelächter]
Tx: Wie steht ihr nach eurem Best-Of-Album zu der Veröffentlichung einer Live-DVD?
Jan: Ja, wissen wir noch nicht. Also wirklich, ganz ehrlich. Haben wir noch nicht... Wir machen jetzt erstmal die neue Platte und dann... also das ist eigentlich im Moment unser Schwerpunkt.
Tx: Und wie steht ihr generell dazu? Könntet ihr euch vorstellen so etwas mal zu machen?
Jan: Die Sache ist, wenn wir uns für so etwas entscheiden, wie auch schon bei dem Best-Of, dann ist es für uns wichtig, die Sache so zu machen, dass das auch ein Ergebnis hat, mit dem wir auch selber zufrieden sind und nicht dass das als irgendein "Rip-off" erscheint, denn uns ist unsere Integrität schon wichtig als Band. Natürlich kann man viel machen, natürlich kann man irgendein Konzert filmen und dann hat man da eine Live-DVD, aber uns ist die Auseinandersetzung darüber schon wichtig und deshalb ist das für uns nicht mal so eben gemacht. Mit der Best-Of war das ähnlich, das war auch schon viel Arbeit dann tatsächlich, aber es hat auch Spaß gemacht.
Tx: Und wie steht ihr zu den Live-Aufnahmen die zum Beispiel vom Rockpalast gemacht werden? Schaut ihr euch das auch selbst noch mal an?
Jan: Ich find das immer schwierig.
Dirk: Meinst du jetzt so Fernsehaufzeichnungen? Ach, die klingen oft so schlecht. Gerade bei diesen öffentlich-rechtlichen Fernsehaufzeichnungen haben die so einen komischen Mix. Die haben halt ihren eigenen...
Jan: Gesang-Schlagzeug-Mix kann man so sagen.
Dirk: Ja, das ist so. Aber das war auch schon immer so.
Jan: Da gibt’s denn mal glücklichere, mal unglücklichere Auftritte. Ich finde das schwierig, denn wir sind als Band schon darum bemüht das, was wir tun, selber zu bestimmen und bei so einem Live-Konzert oder auch ... das geht bei Fotos los. Deshalb finde ich das schon ganz gut, dass das nicht inszeniert ist, die Fotos, aber da wird einem schon so ein bisschen ins künstlerische Handwerk immer gepfuscht. Das ist für mich das Schwierige. Man hat da immer nicht so die großen Kontrollmöglichkeiten.
Musikgeschmack
Tx: Kommen wir zu eurem Musikgeschmack. Wie oft geht ihr Platten oder CDs kaufen und welches war das letzte Album, das euch so richtig aus dem Alltag herausgerissen hat?
Jan: [lange Pause] Ganz unregelmäßig.
Dirk: Ich habe gerade die Maxi gekauft, die hier gerade im Hintergrund läuft. Red Hot Chili Peppers. Finde ich ganz schön. [Red Hot Chili Peppers - Snow
Jan: Ich habe mir als letztes tatsächlich ein Stück online gekauft, was ich sehr selten mache.
Tx: Welches war das?
Jan: Von Ingrid Caven "Nietzsche". So ein alter deutscher Chanson von Pierre Raben geschrieben. Text von Rainer Werner Fassbinder. Sehr schön. Das kann ich jedem ans Herz legen.
Dirk: Ich glaube, unser Musikgeschmack ist sehr schrullig. [Gelächter]
Jan: Die Plattensammlung ist halt so, dass man im Bereich Rockmusik schon sehr viel abgedeckt hat und sich dann als Inspiration auch andere Sachen sucht, die man interessant findet.
Tx: Habt ihr auch ein Album aus der letzten Zeit, bei dem ihr sagt: Wow, das ist jetzt aber mal ein Hammer!
Dirk: Das ist immer alles so schwer zu beantworten.
Jan: Das fällt einem immer nicht ein.
Dirk: Das fällt einem dann immer nicht ein.
Jan: Das ist wie, wenn man in einen Plattenladen geht. Da weiß man auch immer nicht, was man da kaufen soll.
Dirk: Das wechselt auch ständig. Bei uns hängt es auch damit zusammen, womit man sich gerade beschäftigt.
Tx: Einen Namen wollen wir jetzt aber mal hören.
Jan: Na, diese "Gothics Archies" oder wie heißen die? "Gothic...", nee wie hießen die, "Gothic...", wie hießen die denn?
Dirk: Ich bin ein großer Fan von diesem Songwriter Steve Merritt, kennt ihr den? Der diese 3-CD-Box gemacht hat, wie hieß die noch? "69 Lovesongs", "Magnetic Fields". Der macht so ganz viele andere Bands, toller Songwriter. Ach, und das wechselt irgendwie ständig. Ich habe diese Platte von der neuen Band von Damon Albarn, "The Good, the Bad & the Queen", die finde ich ziemlich gut. Toller Sänger. Manchmal kauft man sich so was, wenn man bestimmte Sachen gut findet.
Tx: Bevorzugt ihr Platten oder CDs?
Jan: Ich kauf mir lieber Platten. Ich kauf mir eh selten aktuelle Sachen und antiquarisch kriegt man alte Platten gut ... neue auch, aber ich mag alte Platten einfach lieber.
Dirk: Ich bin eher so der Typ, der so in "Saturn" geht und sich dann CDs kauft.
Tx: Wie sieht es mit derzeitigen Lieblingsbüchern aus?
Dirk: Das ist so eine ähnliche Frage. Wir waren halt in unserem Leben wahnsinnige Fans von Sachen wie Musik, Bücher, Kunst und Film. Und ich glaube, wir haben wahnsinnig viel schon gehört, gelesen und gesehen, da fällt es schwer irgendeine Auswahl zu treffen. Klingt jetzt so danach, als würde ich hier mit einer Pfeife sitzen... Ist so ein bisschen wie die Frage nach dem Hobby.
Jan: Man macht ja keine Charts, das ändert sich eben mit der Zeit.
Tx: Vielleicht ein aktuelles Buch, was ihr gerade gelesen habt?
Jan: Ich lese gerade, kann noch gar nicht so viel darüber sagen, weil ich noch nicht so weit bin, Albert Vigoleis Thelen "Die Insel des zweiten Gesichts". Ich glaube aber, ich kann es schon empfehlen. Komischerweise ein recht vergessener Schriftsteller aus Nachkriegsdeutschland, also fünfziger Jahren.
Dirk: Ich lese gerade ein Buch, das heißt, wenn ich das jetzt sage, das klingt so..., es heißt "Das selbstbewusste Bild − der Ursprung der Metamalerei" [Gelächter]. Das ist ein ganz langweiliges Buch über altmeisterliche Malerei. Hobbykunstgeschichtler eben.
Tx: Welche Künstler beeinflussen euch denn am meisten?
Jan: Bei mir ist es Dirk von Lowtzow.
Tx: Ja, habe ich schon mal etwas von gehört.
Dirk: Das ist aber nett von dir jetzt! Meint ihr jetzt Kunstkunst, also bildende Kunst?
Tx: Ja, zum Beispiel, wenn euch ein Maler beeinflusst. Weil ihr habt ja gesagt, es ist nicht nur Musik, die euch beeinflusst.
Dirk: Also der französische Künstler Marcel Duchamp war relativ wichtig für unser Verständnis Musik zu machen, weil es jemand war, der auch eine Abkehr von der reinen Handwerklichkeit, der hat gelebt von was-weiß-ich, 1890 bis 1960. Der hat zuerst gemalt, hat dann die Malerei aufgegeben und gesagt, dass ihn das nicht mehr interessiert, nachdem er ein ganz berühmtes Bild gemalt hat, "Akt eine Treppe heruntersteigend", und hat dann sehr früh angefangen, einfach Objekte zu nehmen, sich die anzueignen, beispielsweise so etwas wie einen Aschenbecher, um zu sagen, das ist das Kunstwerk. Das war ein sehr, sehr wichtiger Künstler. Dann natürlich Warhol. Und dann arbeiten wir sehr eng mit Künstlern zusammen, die wir kennen. Beispielsweise Jan Timme ist ein junger Künstler, mit dem wir ganz eng zusammenarbeiten, der Fotos macht für uns, ist eigentlich Konzeptkünstler. Cosima von Bonin ist eine Freundin von uns, die Künstlerin ist und für uns schon Sachen gestaltet hat. Jetzt das Cover des neuen Albums hat ein befreundeter Künstler von uns gestaltet, Henrik Olesen. Wir bewegen uns da auch in dieser Welt und kennen da Leute. Das ist halt ähnlich wie mit der Musik auch. Es gibt so viele tolle Sachen. Es kommt einem immer so vor, wie Jan auch schon meint, als müsste man so seine eigenen Charts ... das ist nicht so wichtig. Das ändert sich halt auch ständig. Ist auch ein bisschen zu hierarchisch.
Jan: Ich kann immer wieder sagen, dass für mich das wichtigste Kunstwerk die "Cotzbrocken" mit "C" aus Köln ist. Das hat mich sehr stark beeinflusst, hat mich auch dazu gebracht, Musik zu machen. Ganz ernsthaft.
Dirk: Was Duchamp für die Kunst war, ist das für Musik.
Jan: Ja, schon.
Dirk: Naja, Fassbinder hat in letzter Zeit auch einen relativ hohen Stellenwert für dich.
Jan: Finde ich auch super. Der ist ja auch gerade durch eine Wiederveröffentlichung von "Berlin, Alexanderplatz" sehr im Gespräch.
Tx: Mag sein
Jan: Das finde ich sehr interessant, Fassbinder. Weil es gar nicht nur die Kunstwerke, Filme oder Theaterstücke oder was auch immer dadurch entstanden ist, sondern auch die Art wie da gearbeitet worden ist. Daraus kann man viel ziehen, viel lernen und das ist sehr spannend, wie da miteinander gearbeitet wurde.
Dirk: Auch die Gruppendynamik.
Jan: Weil’s das heutzutage nur noch wenig gibt und weil uns als Band die klassisch-hierarchischen Modelle nicht interessieren, sondern etwas anderes und das Aneinanderreiben und der Konflikt als kreative Aktion interessant ist für uns, weil das, vielleicht noch mal zum Stichwort "Gemucke", das wäre halt ein bisschen langweilig für uns, wenn Dirk mit den Songs kommt, dann wird es arrangiert und über was wir vorhin schon sprachen, das Miteinanderreden und Diskutieren Und da kann man sich viel bei Fassbinder und co. aneignen und daraus viel lernen, denke ich.
Dirk: Mike Kelly war auch ein Künstler, der sehr wichtig war für meine künstlerische Sozialisation. Die Art wie der mit seinem Werk umgegangen ist, was der so für Verbindungen aus Konzeptualität und Poppigkeit und Reflektion ... ich weiß nicht, ob ihr den kennt. Der hat einmal so ein "Sonic Youth"-Cover gemacht, das mit den Stofftieren bei "Dirty". Das ist, glaube ich so ein Künstler, der für die ganze Kunstrezeption Anfang der Neunziger, als wir angefangen haben, Musik zu machen, sehr wichtig war, weil er sehr vieles hinterfragt hat.

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