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Tour-O-Graphie

Konzertdetails

Wenn du Korrekturen zu diesem Konzert hast, dann schick sie bitte an Wolfgang.

14.07.98 - Nürnberg
Location: Hirsch
Konzertart: Powerline Open Air
Andere Bands / Vorbands: Chokebore, Tied & Tickled Trio
Berichte: Einen sehr ausführlichen Bericht schickte uns Tocotronix-User Jochen: Das suedlichste Konzert 1998 der Tocos konnte man im schoenen Frankenland hoeren. Im Nuernberger "Hirsch" machte das Powerline-Festival mit drei Gruppen Zwischenstation: Chokebore, Tied&Tickled Trio und Headliner Tocotronic. Ca. 400 Seelen mit Weltschmerz kamen dazu angepilgert, abgesehen von einigen Fanshirt-Traegern und weiblichen Teens, die mehr wegen Jan als der Musik kamen, ein ziemlich homogener Haufen. Pro Nase waren schlappe 24 DM zu loehnen, wofuer man vom Veranstalter einiges geboten bekam: Der Ort des Geschehens war grosse Klasse. Ideale Groesse, schoene Deko (Fallschirm an der Decke) und dezente, aber wirkungsvolle Lichteffekte, die eine angenehme psychodelische Stimmung aufkommen liessen. Die Soundabmischung war wider Erwarten vorzueglich, die Lautstaerke genau auf dem richtigen Pegel. Einziges Manko war die schlechte Belueftung, die den Raum schon frueh stickig-heiss werden lies und der fehlende CD-Verkauf. - Ist Toco doch noch nicht kommerziell ? :)

Zuerst spielte ca. 40 Min. Chokebore, danach ca. 1.Std. das Tied&Tickled Trio. Beide Gruppen gaben sich redlich Muehe, die Resonanz vom Publikum fiel allerdings sehr dezent aus. Scheinbar niemand war wegen diesen Bands gekommen. Viele bemuehten sich schon gar nicht zur Buehne, sondern tranken voll Vorfreude auf Tocotronic seelenruhig im Garten ihr Bier weiter.

Chokebore empfand ich als ziemlich durchschnittliche Hauptsache-Radau-Musik, wie sie dutzendweise aus Amiland bekannt ist. Es fehlte mir ein klarer eigener Stil, dafuer hoerte man allzuviele textliche und musikalische Phrasen. Wohl auch deshalb hat niemand eine Zugabe erklatscht.

Das Tied&Tickled Trio, in Wahrheit ein Sextett, dem u.a. einige Mitglieder von The Notwist angehoeren, produzierte einen sehr konstruierten, erdachten Sound, bei dem freejazziges Saxophon dominierte. Mir persoenlich war das viel zu verkopft und intellektuell. Schliesslich war man nicht gekommen, um die Welt logisch in Scheibchen zu zerlegen, sondern tocotronische Parolen zu bekennen.

Ca. 21.30 liessen sich dann Dirk, Jan und Arne zum Soundcheck auf der Buehne sehen. 20 Minuten spaeter eroeffnete Dirks freundliche Begruessung das Konzert. Das erste Lied wurde angestimmt (ich weiss leider nicht mehr welches es war) und Dirk vergass nach 2 Worten den Text...neuer Ansatz....und wieder blieb er haengen. "Dieses Lied habe ich schon lange nicht mehr gespielt -Denkpause- ... kommen wir zum zweiten Lied" meinte er amuesiert und leitete hastig, aber gefuehlvoll zu "So schnell" ueber. Ein amuesanter Beginn, der die lockere Stimmung der Jungs verriet und ein gutes Konzert versprach. Zu weiteren Sendepausen dieser Art kam es im folgenden dann nicht mehr, im Gegenteil, die folgenden ca.13 Lieder wurden flott hintereinander vorgetragen, so dass keine einzige Minute Stockung aufkam. Das ganze wirkte wie aus einem Guss, aber ohne routiniert heruntergespult zu sein. Die Tocotronics waren in bester Spiellaune, Dirk brachte stimmlich alle Nuancen von Hass bis Sei-umarmt-Welt kongenial rueber und schrammelte seine Gitarre dazu verzueckt durch. Arne praegte dem Ganzen seine wuchtigen Drums markant auf und lies sich auch einige Male am Front-Mikro blicken. Lediglich Jan konnte nicht ganz ueberzeugen. Er gefiehl sich zunehmend in seiner Rolle als Teenie-Schwarm und mimte fuer die zwei ersten, minderjaehrigen Reihen unglaublich verlogen den suessen Boy. Wohl auch deshalb stach er auch musikalisch nicht besonders heraus. Schade.

Das vorgetragene Liedgut entstammte allen Schaffensperioden des Trios. Im wesentlichen entsprach es der "Roskilde live" CD, bot darueber hinaus allerdings auch ein noch unveroeffentlichtes Lied (Titel unbekannt). Der Text war leider nicht zu verstehen und das Lied kam auch deshalb als einzigstes dieses Abends nicht gut rueber. Aeltere Lieder kuendigte Dirk freudig als solche an. Prinzipell blieben seine Ansagen zwischen den Liedern jedoch recht spaerlich. Lediglich "Masterplan" kuendigte er als politisches Lied an, und zu "Freiburg" kommentierte er lustvoll "Das naechste Lied ist ein Hass-Lied." - Gegroehle - "Ja, aehm, entschuldigung, aber es ist nun mal so." und bekraeftigte dies mit kratzbuerstigem Einsatz: "Ich weiss nicht wieso ich euch so *hasse*..." - Die Menge johlt entzueckt mit.... genial !

Die Setliste war gut zusammengestellt. Nach einem langsameren Eingangsteil von 3 Liedern, folgten 6 heftige Songs zum Abgehen, dann wieder 2 Stuecke zum in sich gehen. Generell wurden aber an diesem Abend viele ruhige Lieder zu gnadenlosen Reissern uminterpretiert. Hohepunkte waren das selbstbewusste "Samstag ist Selbstmord", das voellig abgespacete "Bahrenfeld" und die brachiale Zugabe "Gehen die Leute". Danach war die Menge dermassen ausgepumpt, dass einfach die Kraft fehlte eine weitere Zugabe zu erbetteln.

Leider stand das Publikum im krassen Gegensatz zu den lockeren Tocos. Die kompletten ersten zwei Reihen wurden giftig von pubertierenden Maedels verteidigt, die sich wie die Fliegen um die Scheisse um Jan draengelten. Dahinter ca. 30 "authentische" Fans, die gut abgingen, herzlichen Pogo tanzten (wer hinfiel, wurde sogleich aufgehoben) und textsicher ihr Credo mitgroelten. Die Reihen 8ff waren dann mit stocksteif dastehenden jungen Franken gefuellt, die scheinbar von Jugendbewegungen noch nicht alles verstanden hatten. Applaus wurde ganz brav hauptsaechlich durch artiges Klatschen zubedacht, kein Mitsingen, kein Mitfuehlen. Meine obligatorische "Michael Ende" Forderung brachte mir einige verdutzte "Spinnt-der?"-Gesichter ein. Mein Nachbar zur Rechten klaerte mich dann in ganz sachlichem Tonfall auf "Du, das hat keinen Sinn, dieses Stueck spielen sie nicht mehr." - Dumpfbacke, deshalb schreie ich es ja ! :-)

Der komplette Auftritt dauerte ca. 2 Stunden. Genau laesst sich das aber nicht sagen. Die weltabgehobene Stimmung und die unglaublich geschlossene und in sich stimmige Verschachtelung der Lieder liess zumindest mich die Zeit in ihrer Lineraritaet aufheben. Es war wie auf einem genialen LSD-Trip, nur dass man es sich nicht einbildete. Apropos Drogen, es waere voellig deplaziert, sich irgendwas vor einem Tocotronic Konzert einzuschmeissen. Beim naechsten Mal werde ich statt Bier Mineralwasser trinken und einige Wochen zuvor viel Sport treiben. Ist man koerperlich fit, ist es umso genialer. Den Kick bekommt man durch die Musik dieser ausgezeichneten Live-Band automatisch.
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