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Tour-O-Graphie

Konzertdetails

Wenn du Korrekturen zu diesem Konzert hast, dann schick sie bitte an Wolfgang.

25.10.97 - Bremen
Location: Modernes
Konzertart: Clubauftritt
Andere Bands / Vorbands: Aeronauten
Berichte: Wir dürfen an dieser Stelle Jochen Bonz zitieren, der im INTRO #50 vom Dezember 1997 schrieb:

"Die Dramaturgie ist gut. Nachdem das zahlreich erschienene Publikum nach dem Abgang der AERONAUTEN eine Viertelstunde lang mit dieser Art freundlicher Discomusic unterhalten wurde - irgendwo in der Nähe von GIORGIO MORODER, aber doch nicht ganz so effektheischerisch -, kommt Arne Zank auf die Bühne, sagt "Wir sind TOCOTRONIC aus Hamburg" und etwas Wortspielerisches, um Schnelligkeit und Langsamkeit Hinundhersichdrehendes, und spielt dann solo und an der Gitarre "So Schnell". Anschließend "Ich Mache Meinen Frieden Mit Euch", dieses Hallo-Arschloch-Stück, und schließlich "Liebes Tagebuch": "Heute bin ich recht gut ausgeschlafen aufgestanden, meine Zähne geputzt und auf die Straße gestolpert. Und am Tageslicht erkannt, daß diese Gegend nicht dafür vorgesehen ist, daß freuuuundliche Menschen sich in ihr gegenseitig gut verstehen ..." Dafür versteht man sich an diesem Abend um so besser, singt mit, gleich nach den ersten paar Takten. Nur das Mitklatschen wird von Arne Zank freundlich, aber bestimmt unterbunden.

Die Band ist vollzählig. Ruhig fängt sie an, um dann mitten im Stück überraschend loszurocken. Krach, Wall of Sound - dann wieder Entspannung. Was Effektgeräte so anrichten können. Auch beim Publikum. Wenn der Krach kommt, gehts in die Höhe. Aber was ist mit Stagediven?

Eineinhalb Stunden geht es so hin und her und quer durch die in nur drei Jahren entstandenen vier Alben, von Knüller zu Ballade, von "Gehen Die Leute" und "Drei Schritte Vom Abgrund Entfernt" zu "Ich Mag Dich Einfach Nicht Mehr So" und "Du Bist Ganz Schön Bedient" (letzteres auf Englisch und zweifellos einer der Höhepunkte des Konzertes). Alles läuft wie am Schnürchen, nur bei "Sie Wollen Uns Erzählen", einem der schlausten TOCOS-Stücke überhaupt, verpatzt Dirk von Lowtzow das Mundharmonikaspiel. Arne Zank am Schlagzeug ist eine Offenbarung, sowohl musikalisch wie auch unter Entertainment-Gesichtspunkten. Riesige Monitorboxen sind um ihn gruppiert, damit er ganz genau hinhören kann, und das tut er. Und Jan Müller erfüllt die Bassisten-Funktion, steht da, mit grünen oder blauen Haaren.

Nicht gespielt werden "Ich Möchte Teil Einer Jugendbewegung Sein" und "Michael Ende, Du Hast mein Leben Zerstört". "Michael Ende ..." wird immer wieder lautstark verlangt, was Dirk von Lowtzow zu einer Erklärung ("Wir spielen das überhaupt nicht mehr - aus Pietätsgründen!") und einer kleinen Selbstentblößung nötigt. Diese Selbstentblößung, dieses Noch-mehr-von-sich-preisgeben-als-eh-schon, ist eigentlich keine, weil das, was dabei rauskommt, sowieso auch permanent inszeniert wird, in abgeschwächter Form allerdings. Ihre Variation ist das "Dankeschööön", mit dem mindestens zwei Stücke direkt musikalisch, gesungen, ausklingen und das auch ansonsten ein vielstrapaziertes Wort dieses Abends, von der Bühne her kommend, darstellt. TOCOTRONIsche Höflichkeit. Und doch auch mehr. Dem "Michael Ende"-Schreier hält Dirk von Lowtzow entgegen, er wisse doch wohl, wer am lautesten schreie, habe meistens unrecht. Ein zumindest scheißliberaler Spruch, der die an diesem Abend nicht verlangte "Jugendbewegung" - weshalb auch verlangen, was derart offensichtlich ist?! - treffend charakterisiert. Jawohl, TOCOTRONIC, das kann hier nachdrücklicher als durch Blicke auf Hitparadenplazierungen bemerkt werden, sind Teil einer kleinen Jugendbewegung, die sie wohl zu beträchtlichen Teilen selbst losgeschubst haben, und diese Jugendbewegung ist durch und durch bürgerlich, ein bißchen hip; sie scheint tatsächlich zumindest ein wenig Bescheid zu wissen, was "cool und uncool" ist, am meisten aber, "wie man sich fühlt": gemischt nämlich, unsicher, zumindest was den eigenen politischen Standpunkt angeht, offen auch. Liberal. Auch liberal genug, um die sporadischen, TOCOTRONIC früher überwiegend kennzeichnenden Haß-Entladungen nicht auf sich zu beziehen, sondern auf diejenigen zu projezieren, die auch von TOCOTRONIC gemeint sind: Eltern und andere Leute, die ihre Unsicherheit und Liberalität weniger gut, griffig, modern in Szene zu setzen in der Lage sind. Mir gefällt diese seltsame Vermengung von Bürgerlichkeit und Anti-Bürgerlichkeit.

Viel mehr noch gefiel mir an diesem Abend aber meine eigene Gesellschaft, zwei Freundinnen, die auf die im Anschluß an das Konzert aufkommende Frage, was denn eigentlich junge Frauen mit dieser Jungensmusik anfangen könnten, die vollkommene Antwort gaben: bei derart treffenden Situations- und Gefühlsbeschreibungen sei Geschlechtsspezifisches doch aufgehoben. TOCOTRONIC - also doch eher Rohmer- als Bernhard-Rock. Gender? Kein Problem! Allerhand!"




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